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Bank of England zögert: Leitzins bleibt vorerst bei 3,75 Prozent

Trotz einer Inflationsrate von über drei Prozent im Mai wird die Bank of England (BoE) den Leitzins voraussichtlich nicht erhöhen. Wie die FAZ berichtet, zögert Notenbank-Chef Andrew Bailey wegen des Energiepreisschocks.

Bank of England zögert: Leitzins bleibt vorerst bei 3,75 Prozent
Bild: media0.faz.net

Die Bank of England (BoE) wird den Leitzins am Donnerstag voraussichtlich zum vierten Mal in Folge bei 3,75 Prozent belassen. Das prognostizieren Ökonomen in London, wie die FAZ berichtet. Notenbank-Chef Andrew Bailey signalisierte, er wolle mehr Belege für einen breiten Inflationsdruck sehen, bevor er handle.

Die Mehrheit der neun Mitglieder des geldpolitischen Komitees (MPC) dürfte gegen eine Zinserhöhung stimmen. Ausnahmen sind möglich: BoE-Chefvolkswirt How Pill hatte bereits im April für eine Erhöhung votiert, und das externe MPC-Mitglied Megan Greene hält eine straffere Geldpolitik für angemessen. Die übrigen sieben Entscheider um Bailey tendieren zu einem konstanten Zins.

Hintergrund ist der Energiepreisschock infolge des Irankriegs, der die Teuerungsrate in der zweiten Jahreshälfte weiter steigen lassen könnte. Im April war die Inflation überraschend auf 2,8 Prozent gesunken – Grund waren neue staatliche Preisobergrenzen für Energierechnungen. Nun erwarten Volkswirte für Mai eine Rate von über 3,0 Prozent.

Die BoE-Führung beobachtet zudem die abgekühlte Konjunktur und den schwächeren Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit und weniger offene Stellen dürften den Lohndruck verringern, was die Notenbank gegen die steigenden Energiepreise abwägen müsse, sagte Sanjay Raja, britischer Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London. In den nächsten Monaten könnte eine Zinserhöhung folgen – die Wahrscheinlichkeit sei etwas gestiegen.

Ruth Gregory von Capital Economics hält eine Zinserhöhung im Juli oder September für möglich, aber nicht sicher. Andrew Wishart von der Berenberg Bank rechnet sogar mit einer Zinssenkung auf 3,50 Prozent bis Dezember. Am Kapitalmarkt werden bis 2027 zwei bis drei Erhöhungen auf 4,25 bis 4,50 Prozent erwartet – was Gregory für übertrieben hält.

Quelle: www.faz.net