Der Bayerische Rundfunk (BR) hat einen Beitrag über islamisch induzierte „Modest Fashion“ produziert, in dem Frauen mit Handys verglichen werden. Diese Gleichsetzung ist nicht nur fragwürdig, sondern auch symptomatisch für eine problematische Sichtweise auf die Rolle der Frauen in der Gesellschaft. Der Beitrag scheint nicht als Satire gemeint zu sein, was die Situation noch besorgniserregender macht.
In dem Beitrag wird die Botschaft vermittelt, dass Frauen wie Handys behandelt werden sollten: wichtig und schützenswert. Die Aussage, dass Frauen sich „bedeckt“ anziehen müssen, wird nicht als Diktat der Männer, sondern als selbstbewusste Wahl der Frauen dargestellt. Diese Sichtweise ist jedoch irreführend und verharmlost die patriarchalen Strukturen, die hinter der Modest Fashion stehen.
Ein zentrales Zitat stammt von dem Ehemann einer jungen Frau, die in Nürnberg eine Boutique für Modest Fashion eröffnet hat. Er erklärt, dass Frauen „kein Objekt für andere Männer sein“ sollten. Diese Aussage ist ein Beispiel für die Bevormundung und Entmündigung von Frauen, die in der Diskussion um Modest Fashion oft übersehen wird.
Der BR präsentiert die Verschleierung als Akt der Befreiung und stellt Menschen, die im Sommer „Haut zeigen“, als suspekt dar. Diese Darstellung ist nicht nur einseitig, sondern auch gefährlich, da sie die Realität vieler Frauen ignoriert, die sich nicht aus Überzeugung, sondern aus Zwang verhüllen.
Die Inszenierung des Beitrags ist ebenfalls problematisch. Eine ältere Dame betritt die Boutique und äußert Freude über das Angebot, weil sie in ihrem Alter nicht mehr so viel Haut zeigen möchte. Diese Darstellung suggeriert, dass es für Frauen nur eine akzeptable Art gibt, sich zu kleiden, und dass die Entscheidung für Modest Fashion eine universelle Wahrheit ist.
Der Beitrag schließt mit der Botschaft, dass es nicht darauf ankommt, wie viel Haut ein Mensch zeigt, sondern wie wohl er sich in seiner Haut fühlt. Diese Aussage mag auf den ersten Blick positiv erscheinen, doch sie verkennt die tiefere Bedeutung der Modest Fashion, die seit einem Jahrzehnt an Bedeutung gewonnen hat und einen Milliardenmarkt bedient.
Eine kritische Herangehensweise an ein solches Thema im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wäre wünschenswert. Stattdessen wird unkritisches Fantum nach dem Motto „Scharia vor, noch ein Tor“ propagiert. Die Tatsache, dass die Autorinnen des Beitrags ungerührt Frauen mit Handys vergleichen, ist ein schlechtes Zeichen für die Sensibilität der Redaktion.
Insgesamt zeigt der Beitrag des BR, wie wichtig es ist, kritisch mit Themen wie Modest Fashion umzugehen. Die Gleichsetzung von Frauen mit Handys ist nicht nur unangemessen, sondern auch ein Zeichen für die tief verwurzelten patriarchalen Strukturen, die in der Gesellschaft weiterhin bestehen. Eine differenzierte Diskussion über die Rolle der Frauen in der Modest Fashion ist dringend erforderlich.
Quelle: www.faz.net



