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Bundestag stimmt für Monitoring von Trisomie-Bluttests

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit für ein Monitoring der nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) gestimmt. 529 Abgeordnete votierten für den fraktionsübergreifenden Antrag, 18 dagegen, 23 enthielten sich. Ein Expertengremium soll die Kassenzulassung prüfen.

Bundestag stimmt für Monitoring von Trisomie-Bluttests
Archivfoto: Photo: Andreas Praefcke / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit für ein Monitoring der nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) gestimmt. 529 Abgeordnete votierten für den fraktionsübergreifenden Antrag, 18 dagegen, 23 enthielten sich. Ein Expertengremium soll die Kassenzulassung prüfen.

Das berichtet der Spiegel. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, die Folgen der Kassenzulassung dieser Bluttests systematisch zu beobachten. Ein interdisziplinäres Expertengremium soll zudem die rechtlichen, ethischen und gesundheitspolitischen Grundlagen prüfen, nach denen die gesetzlichen Krankenkassen den Test bezahlen. Die Ergebnisse des Monitorings sollen dem Bundestag spätestens bis Ende Juni 2027 vorliegen, wie aus dem Antrag hervorgeht (S2).

Der Test kann seit dem 1. Juli 2022 unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Er ermöglicht Schwangeren eine Blutuntersuchung auf die Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21 – am bekanntesten ist Trisomie 21, das Down-Syndrom. Der Test ist risikoärmer als eine Fruchtwasserpunktion, die in weniger als einem Prozent der Fälle zu Fehlgeburten führt. Allerdings liefert der NIPT keine Diagnose, sondern nur Wahrscheinlichkeiten. Sicherheit bietet erst eine invasive Untersuchung.

Die Initiative für ein Monitoring war bereits 2024 in der vergangenen Wahlperiode eingebracht worden. Wegen des Bruchs der Ampelkoalition kam es damals nicht mehr zu einer Abstimmung. Der aktuelle Antrag wird von Abgeordneten der CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken unterstützt. Kurz vor der Debatte einigten sich die Initiatoren mit anderen Abgeordneten auf eine Änderung: Schwangeren soll der Zugang zum kassenfinanzierten Bluttest „bei einer gerechtfertigten medizinischen Indikation nicht erschwert werden“, heißt es in dem Antrag.

Warum die Sorge vor einem Massenscreening wächst

Die Befürworter des Monitorings stützen sich auf Daten der Krankenkasse Barmer. Demnach nahmen 2024 durchschnittlich fast 50 Prozent der Schwangeren einen NIPT in Anspruch, ein Jahr zuvor waren es 32 Prozent. Besonders häufig wurde der Test bei Frauen zwischen 41 und 45 Jahren angewendet, aber auch bei jüngeren: In der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre lag die Quote 2023 bei rund 20 Prozent. „Was ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einem flächendeckenden Screening“, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger in der ersten Beratung am 20. März 2026. Die Antragsteller kritisieren, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) regele nicht klar genug, wann der Test angewendet werden solle. Dadurch könne er unabhängig von medizinischer Notwendigkeit empfohlen werden – auch, damit sich Ärzte absichern. Entgegen den Erwartungen ist die Zahl invasiver Tests nicht gesunken, sondern gestiegen. Zudem liegt die Rate falsch-positiver Befunde im Alltag viermal höher als theoretisch erwartet. Viele Schwangere verzichten nach einem negativen NIPT-Ergebnis auf das Ersttrimester-Screening, das weitere Auffälligkeiten zeigen könnte.

In der Debatte am 20. März 2026, über die der MDR und Tagesschau.de berichteten, meldeten sich zahlreiche Abgeordnete zu Wort. Die SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt sagte: „Es darf nicht sein, dass systematisch nach Trisomie 21 getestet wird.“ Die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner betonte, es gehe nicht darum, „die reproduktive Autonomie der Frauen“ einzuschränken, sondern um „mehr Wissen und mehr Transparenz in einem sensiblen Bereich“. Die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta warnte davor, Frauen in einer höchstpersönlichen Lage zu kontrollieren: „Schreiben Sie den Frauen nicht vor, was sie zu tun haben.“

Unterstützung von Verbänden – und offene Fragen

Der Deutsche Caritasverband und die Lebenshilfe begrüßen das Monitoring nachdrücklich. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa sagte, vorgeburtliche Diagnostik mit häufig falsch-positiven Ergebnissen und ohne therapeutische Optionen erzeuge „einen fatalen Entscheidungsdruck“. Die Lebenshilfe-Vorsitzende Ulla Schmidt erklärte, aktuelle Zahlen belegten, „dass der NIPT schon jetzt zur Regeluntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge geworden ist“. Menschen mit Beeinträchtigungen fühlten sich diskriminiert. Auch der Allgemeine Behindertenverband (ABID) unterstützt den Vorstoß. Dessen Vorsitzender Marcus Graubner forderte eine Gesellschaft, in der Kinder mit Trisomie 21 „nicht als Stigma angesehen werden, sondern als eine Bereicherung“.

Kritik kam von Abgeordneten, die eine Einschränkung der Selbstbestimmung fürchten. Der AfD-Abgeordnete Martin Sichert betonte in der ersten Lesung, der NIPT verhindere Spätabbrüche, die als besonders belastend erlebt würden. Die SPD-Abgeordnete Carmen Wegge mahnte, die Maßnahmen dürften nicht zu mehr Druck auf Frauen führen. Unabhängig vom Ausgang der Prüfung bleibt die ethische Frage zentral: Wie frei ist eine Entscheidung, wenn ein Test zur Routine wird? Der Beschluss vom Donnerstag ändert zunächst nichts an der Kassenzulassung. Er soll vielmehr die Grundlage für eine fundierte Debatte schaffen – mit Daten, die bis Mitte 2027 vorliegen sollen.

Quellen

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