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Krakau: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Terrorismus

Nach den Todesschüssen auf dem Krakauer Hauptmarkt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen einer terroristischen Straftat. Die Zahl der Toten stieg auf sechs, bei den drei Leichen im Haus des Schützen handelte es sich um seine Eltern und seine Schwester.

Krakau: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Terrorismus
Grafik: EuroPulse

Nach den Todesschüssen auf dem Krakauer Hauptmarkt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen einer terroristischen Straftat. Die Zahl der Toten stieg auf sechs, bei den drei Leichen im Haus des Schützen handelte es sich um seine Eltern und seine Schwester.

Die polnische Staatsanwaltschaft ermittelt nach den Todesschüssen auf dem Hauptmarkt von Krakau wegen einer terroristischen Straftat. Das meldete die Nachrichtenagentur PAP am Sonntag unter Berufung auf die Behörde, wie der Schweizer Rundfunk SRF berichtet. Es gehe um die Tötung von sechs Personen und den versuchten Mord an zahlreichen weiteren Menschen, darunter Polizeibeamte. Die Zahl der Todesopfer liegt damit bei sechs; mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt, zwölf von ihnen schweben nach Angaben des Chefs der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Klęczar, in kritischem oder lebensgefährlichem Zustand.

Die drei Leichen, die Einsatzkräfte am Samstagabend im Haus des mutmaßlichen Schützen in Ostrowiec Świętokrzyski entdeckten, sind nach Angaben des polnischen Rundfunksenders RMF FM die Eltern und die Schwester des 24-Jährigen. (Einige Medien berichten, der Mann sei 25 Jahre alt.) Der Sender beruft sich auf den Sprecher der polnischen Polizeizentrale in Warschau, Andrzej Fijolek. Zuvor hatte Ministerpräsident Donald Tusk gesagt, es handele sich wahrscheinlich um die engsten Familienangehörigen des Todesschützen. Die Leichen waren bei einem Polizeieinsatz am Samstagabend entdeckt worden, nachdem eine Drohne Aufnahmen gemacht hatte – die Behörden vermuteten Sprengstoff in dem Haus.

„Sehr radikale Ansichten“ – Ermittler prüfen rechtsextremes Motiv

Der Täter soll nach ersten Erkenntnissen „sehr radikale Ansichten“ vertreten haben, sagte Innenminister Marcin Kierwiński. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse. Die „Welt“ schreibt, die Ermittler prüften ein rechtsextremes Motiv. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst nicht dazu, ob sie einen terroristischen Hintergrund im Sinne einer organisierten Gruppe annimmt. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen.

Der Mann hatte am Samstag gegen 15 Uhr aus einem fahrenden Auto heraus auf dem Großen Ring, dem Hauptmarktplatz der Stadt, wahllos auf Passanten geschossen. Er benutzte nach Polizeiangaben eine halbautomatische Langwaffe, ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. Auf der Flucht stieß sein Wagen an einer Kreuzung mit einem anderen Auto zusammen, der Angreifer sprang heraus und schoss auf die Einsatzkräfte. Diese erwiderten das Feuer und trafen ihn; er wurde überwältigt und mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krakauer Krankenhaus gebracht und mehrfach operiert. Zwei Polizisten wurden verletzt, einer erlitt drei Schusswunden. Innenminister Kierwiński sagte, die „blitzschnelle Reaktion“ der Polizei habe ein noch größeres Massaker verhindert. Die Beamten hätten innerhalb von drei Minuten nach der ersten Alarmierung Schüsse auf den Angreifer abgegeben.

Unter den sechs Todesopfern sind nach Angaben von Polizeichef Marek Boroń ein Brite und drei Polen; zwei Menschen mussten zunächst noch identifiziert werden. Vier Frauen und zwei Männer wurden getötet. Unter den 16 Verletzten sind nach Angaben des Innenministers fünf Ausländer, darunter eine Person aus Deutschland, außerdem Menschen aus Österreich, Portugal, Russland und Großbritannien. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte auf Anfrage, dass eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt wurde. Das deutsche Generalkonsulat in Krakau stehe mit den zuständigen Behörden in Kontakt.

Staatstrauer und Debatte über das Motiv

Staatspräsident Karol Nawrocki kündigte für Sonntag und Montag eine landesweite Staatstrauer an. Ministerpräsident Tusk sprach von einem Akt des „Terrorismus“ und einem „grauenvollen Attentat auf das Leben der Menschen hier in Krakau“. Auf X richtete er einen „eindringlichen Appell an Politikerinnen und Politiker aller Lager“, diese Tragödie nicht „zu einem Instrument politischer Spielchen“ zu machen. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich auf X „tief betroffen“ und versicherte, Deutschland stehe „als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens“. Außenminister Johann Wadephul schrieb, Deutschland stehe „in Solidarität mit Polen“. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer „Tragödie“; die Auswirkungen würden „weit über die Grenzen Polens hinaus zu spüren sein“.

Die Spurensicherung am Tatort sollte nach Angaben von Justizminister Waldemar Zurek mindestens bis Sonntag dauern. Zeugen wurden gebeten, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Das Verteidigungsministerium dementierte Spekulationen, der Verdächtige sei Soldat oder Ex-Soldat gewesen. Krakau, mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens und Teil des Unesco-Welterbes, ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Der Anschlag wird eines der sichersten Länder Europas lange prägen – diese Einschätzung der Redaktion stützt sich auf die Reaktionen von Regierung und EU-Vertretern, die von einer Zäsur sprechen.

Zuvor berichtet: Schüsse auf Krakauer Marktplatz: fünf Tote

Quellen

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