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Krefeld: Lkw mit Salpetersäure umgekippt – höchste Warnstufe

In Krefeld ist in der Nacht ein mit 23 Tonnen Salpetersäure beladener Lkw umgekippt. Rund zehn Tonnen liefen aus, die Behörden riefen die höchste Warnstufe aus.

Krefeld: Lkw mit Salpetersäure umgekippt – höchste Warnstufe
Grafik: EuroPulse

In Krefeld ist in der Nacht ein mit 23 Tonnen Salpetersäure beladener Lkw umgekippt. Rund zehn Tonnen liefen aus, die Behörden riefen die höchste Warnstufe aus.

Ein mit 23 Tonnen Salpetersäure beladener Lastwagen ist in der Nacht zum Freitag an der Auffahrt zur Autobahn 57 in Krefeld-Zentrum umgekippt, dabei sind nach derzeitigem Stand rund zehn Tonnen der stark ätzenden Chemikalie ausgelaufen. Die Behörden lösten die höchste Warnstufe aus. Wie die Feuerwehr am Freitag, 6. November, mitteilte, konnte der Austritt bislang nicht gestoppt werden.

Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Feuerwehr gegen 3 Uhr. Der Fahrer wurde verletzt und in eine Klinik gebracht; laut t-online.de handelt es sich um leichte Verletzungen. Warum der Lkw umkippte, ist nach Angaben der städtischen Gefahrenabwehr noch unklar. Der Wagen liegt in einem Graben und ist schwer zu erreichen, die Säure tritt über den Fülldeckel aus.

200 Einsatzkräfte und ein Spezial-Saugwagen aus Hagen

Rund 200 Einsatzkräfte sind nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz, darunter die auf Gefahrgutunfälle spezialisierte Werkfeuerwehr aus dem nahegelegenen Chempark. Mit Wasserfontänen versuchen sie, die Ausbreitung giftiger Dämpfe einzudämmen. Am Vormittag begannen die Einsatzkräfte, die verbliebenen rund 13 Tonnen Säure in einen baugleichen Lastwagen umzupumpen. Ein Spezial-Saugwagen aus Hagen sollte laut Feuerwehr gegen 10 Uhr eintreffen und die bereits ausgelaufene Säure aufnehmen. Anschließend soll ein Kran den Lkw wieder aufrichten. Die Bergungsarbeiten dürften sich nach Einschätzung der Feuerwehr bis in den späten Nachmittag ziehen.

Andreas Klos, Leiter der Gefahrenabwehr der Stadt Krefeld, sagte in einem von der Feuerwehr verbreiteten Instagram-Video: „Wir haben hier ein giftiges Nachprodukt, das eine äußerst ätzende Wirkung hat und von daher haben wir auch einen relativ großen Gefahrenbereich.“ Wegen der Wetterlage könne der Dampf nicht aufsteigen, sagte Klos laut WDR: „Wir werden im Stadtgebiet wahrscheinlich noch über den ganzen Tag eine Geruchsbelästigung haben.“

Absperrung, Sirenen und geschlossene Schulen

Im Umkreis von 1.000 Metern um die Unfallstelle gilt weiterhin die höchste Warnstufe „extreme Gefahr“, über die Warn-App NINA verbreitet. In der Nacht heulten in der Stadt die Sirenen. Die Feuerwehr appellierte: „Die Bevölkerung innerhalb des Absperrbereichs wird dringend aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Niemand soll den Bereich betreten oder verlassen.“ Für das übrige Stadtgebiet gab die Feuerwehr eine Warnung vor allem wegen der Geruchsbelästigung heraus; eine Gefahr bestehe dort nicht, versicherte eine Sprecherin laut der Süddeutschen Zeitung. Eine Gesundheitsgefahr könne im Gefahrenbereich derzeit nicht ausgeschlossen werden, teilte die Stadt mit. Nach Angaben der Gefahrenabwehr lagen bislang jedoch alle Messwerte unter der Toleranzgrenze.

Die A57 ist zwischen den Anschlussstellen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt in beiden Fahrtrichtungen gesperrt, laut WDR voraussichtlich bis zum Mittag. Auch mehrere Straßen in der 230.000-Einwohner-Stadt sind dicht, auf den Umleitungen bildeten sich lange Staus. Der Bahnverkehr zwischen Krefeld und Duisburg ist nach Angaben des WDR noch bis voraussichtlich mittags beeinträchtigt; auf den Linien RE 42, RB 33 und RB 35 kommt es zu Verspätungen sowie Teil- und Komplettausfällen. Die Regionalzüge RE 10, RE 7 und RB 37 fahren wieder regulär. Bei Bussen und Stadtbahnen sind laut den Stadtwerken Krefeld die Linien 042/043, 044, 047, 054, 059 und 927 betroffen, teils mit Umleitungen oder Ersatzverkehr.

Vier Schulen bleiben am Freitag geschlossen: die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen. Beim Umfang der Kita-Schließungen weichen die Angaben ab: rtl.de und t-online.de nennen zwei Kindergärten (St. Gertrudis und Verberger Straße), der WDR berichtet von fünf städtischen und zehn nicht städtischen Kindergärten, wobei die genaue Zahl der betroffenen Einrichtungen unterschiedlich angegeben wird. Auch die städtische Müllabfuhr fällt aus, weil der Fuhrpark im Gefahrenbereich liegt.

Salpetersäure gehört zu den wichtigsten Grundchemikalien der Industrie, vor allem für Düngemittel und Sprengstoffe. Wird die stark ätzende Säure unkontrolliert freigesetzt, drohen den Behörden zufolge erhebliche Gesundheitsgefahren – sie kann Haut, Augen und Atemwege schwer verätzen. Wie lange die Einschränkungen andauern, ist zunächst unklar.

Quellen

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