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Literaturm 2026: Ost-West-Spannung und das Erbe der Diktatur

Das Frankfurter Literaturfestival „Literaturm“ widmete sich in seiner 13. Ausgabe der Spannung zwischen Ost und West. Im Zentrum standen Gespräche über kaufsüchtige Mütter, das Erbe der Diktatur und die Frage, was den Romancier vom Historiker unterscheidet.

Literaturm 2026: Ost-West-Spannung und das Erbe der Diktatur
Bild: media0.faz.net

Wie die FAZ berichtet, fand das Frankfurter Literaturfestival „Literaturm“ in diesem Jahr unter dem Motto der Ost-West-Spannung statt. 25 Veranstaltungen loteten das literarische Spannungsverhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland aus. Die 13. Ausgabe des städtischen Festivals endete am Sonntag.

Sonja Vandenrath hatte die Relevanz des Themas erkannt – nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Landtagswahlen im Osten. Die Frage „Was trennt, was verbindet uns?“ zog sich durch das gesamte Programm. Vierzig Jahre nach dem Ende der DDR wiege die Schwerkraft sozialer Herkunft immer noch enorm, so der Tenor.

Ein Abend war den Schriftstellerinnen Daniela Dröscher und Marlen Hobrack gewidmet. Moderatorin Miriam Zeh sprach mit ihnen über Mutterschaft und familiäre Prägung. Dröscher erzählte von ihrem autofiktionalen Roman „Lügen über meine Mutter“ (2022), in dem sie ihre Mutter als „eigenen Menschen verstehen“ wollte – eine „unglaubliche Befreiung“. Hobracks Buch „Erbgut“ handelt von einer kaufsüchtigen Mutter und deren Hinterlassenschaft, die zu einer Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft und einem sozialen Panorama von Frauen in der DDR wird. Hobrack bezeichnete ihr Buch als „Verrat“, weil sie eine Geschichte erzähle, die ihr nicht gehöre, sie aber betreffe.

Ein weiterer Höhepunkt war die ausverkaufte Lesung von Christoph Hein. Der 82-jährige Autor, der wie kaum ein anderer von der DDR und der Nachwendezeit erzählen kann, las aus seinem Geschichtspanorama „Das Narrenschiff“ (2024). Den Impuls, alles Erlebte aufzuschreiben, habe er mit dem nahenden achtzigsten Lebensjahr verspürt, sagte Hein.

Das Festival nutzte die vertikale Architektur Frankfurts: Veranstaltungen fanden in Hochhausetagen statt, mit Blick auf Main, Taunusanlage und Europaturm. Das Wetter war grau und verregnet – ungewöhnlich graupelig für die Jahreszeit.

Quelle: www.faz.net