Bei einem russischen Drohnenangriff auf das Dorf Korotych im Bezirk Charkiw sind in der Nacht zum Mittwoch zwei ältere Menschen getötet worden. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Charkiw, Oleh Synjehubow, handelt es sich um eine 81-jährige Frau und einen 83-jährigen Mann, wie die Kyiv Post und der Kyiv Independent am 21. Oktober berichten.
Elf weitere Bewohner erlitten nach Synjehubows Angaben akute Stressreaktionen, darunter ein zwei Monate alter Junge und ein achtjähriges Mädchen. Alle hätten medizinische Hilfe erhalten. Die Drohnen beschädigten dem Gouverneur zufolge 13 Privathäuser, ein Fahrzeug und einen Nebengebäude, das durch ein Feuer zerstört wurde. Einsatzkräfte löschten die Brände und begutachteten die Schäden.
Angriffe auf Universität, Hauptstadt und Hafenregion
In der zentralukrainischen Region Poltawa traf eine russische Drohne nach Angaben von Gouverneur Witalij Djakivnytsch in der Nacht ein Bildungsgebäude in Krementschuk. „Ein Treffer eines feindlichen UAV auf ein Gebäude einer Bildungseinrichtung wurde in Krementschuk registriert. Ein Feuer brach aus. Alle Dienste arbeiten vor Ort“, zitiert die Kyiv Post den Gouverneur. Nach Angaben von Djakivnytsch wurden zwei Menschen verletzt, darunter ein 16-jähriges Kind, das mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus kam, wie der Kyiv Independent berichtet. Lokale Medien identifizierten das Gebäude laut Kyiv Independent als fünften Lehrgebäude der Nationalen Universität Krementschuk „Mychajlo Ostrohradskyj“. Bürgermeister Witalij Maletskyj sagte, am Tag zuvor hätten dort noch Studierende Unterricht gehabt.
In Kyjiw schlugen russische Drohnen nach Angaben von Bürgermeister Witalij Klitschko den ganzen Dienstag, 20. Oktober, über in Wohnvierteln und an Infrastruktur ein. Ein Mensch wurde getötet, 21 weitere verletzt, zwölf von ihnen kamen ins Krankenhaus, drei in ernstem Zustand. Betroffen waren unter anderem die Bezirke Swjatoschynskyj, Desnjanskyj und Solomjanskyj. Kurz nach Mitternacht meldete Klitschko einen weiteren Drohnentreffer auf eine Transporteinrichtung im Bezirk Solomjanskyj, wo ein Feuer ausbrach. Trümmer abgefangener Drohnen fielen zudem in einem offenen Gelände in Swjatoschynskyj und in einem Nichtwohngebiet in Solomjanskyj nieder.
In der südlichen Region Mykolajiw traf eine Drohne am Dienstagabend ein Einkaufszentrum der Baumarktkette Epicentr in Perwomajsk. Nach Angaben des amtierenden Gouverneurs Heorhij Reschetilow wurden acht Menschen verletzt: fünf Frauen im Alter von 28 bis 56 Jahren und drei Männer im Alter von 23 bis 43 Jahren. Zwei Frauen kamen in mittelschwerem Zustand ins Krankenhaus, die übrigen sechs wurden ambulant behandelt. Die Zahl der Verletzten stieg laut Regionalverwaltung von zunächst zwei auf acht.
Auch in der nordukrainischen Stadt Tschernihiw wurde am Dienstagabend Verkehrsinfrastruktur angegriffen. Der Leiter der militärischen Stadtverwaltung, Dmytro Bryschynskyj, meldete einen Drohnentreffer, der ein Feuer auslöste. Opfer gab es nach Angaben der Behörden nicht. Bereits am 18. Oktober hatte ein russischer Angriff auf eine Schule in Tschernihiw Klassenzimmer, Fenster und die Fassade beschädigt und zwei Zivilisten verletzt.
58 Drohnen abgefangen oder unterdrückt
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht zwei ballistische Raketen vom Typ Iskander-M/KN-23, vier S-300-Raketen und 98 Drohnen ein, darunter rund 70 Kampfdrohnen vom Typ Shahed. Bis 8.30 Uhr am Mittwoch hätten die Luftverteidigungskräfte 58 Drohnen abgeschossen oder elektronisch unterdrückt, berichtet die Kyiv Post. Raketen und 37 Angriffsdrohnen hätten zehn Orte getroffen, an zwei weiteren Stellen seien Trümmer abgefangener Drohnen niedergegangen. Die Luftwaffe warnte, der Angriff dauere an, mehrere russische Drohnen befänden sich noch im ukrainischen Luftraum.
Krementschuk war in den vergangenen Wochen wiederholt Ziel russischer Angriffe. Ein Raketenangriff am 7. Oktober tötete nach Angaben des Kyiv Independent zwei Menschen und verletzte Dutzende, Wohngebäude wurden beschädigt.
Anmerkung der Redaktion: Die Angaben zu Opfern und Schäden stammen von ukrainischen Behörden und der ukrainischen Luftwaffe. Die Lage in den betroffenen Gebieten kann sich mit laufenden Rettungs- und Aufräumarbeiten noch ändern.



