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Stubb und Støre rufen Putin an – Kopenhagen zweifelt

Finnland und Norwegen telefonieren erstmals mit Putin über den Krieg – ohne Absprache mit Europa. Was der Kreml daraus macht und warum Dänemark warnt.

Stubb und Støre rufen Putin an – Kopenhagen zweifelt
Archivfoto: Lauren Stevens / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Finnland und Norwegen telefonieren erstmals mit Putin über den Krieg – ohne Absprache mit Europa. Was der Kreml daraus macht und warum Dänemark warnt.

Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges haben die Spitzen zweier Länder aus dem Kreis der engsten Ukraine-Unterstützer direkt mit Wladimir Putin telefoniert – ohne öffentliche Ankündigung und, wie dpa schreibt, ohne Koordinierung unter den Europäern; Støre zufolge waren Partner und Verbündete vorab informiert. Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sprachen am Dienstag mit dem Kremlchef, in Absprache mit Kyjiw, wie es in ihrer gemeinsamen Erklärung heißt.

Offizielles Ziel: „Präsident Putin direkt Botschaften bezüglich künftiger Verhandlungen zu übermitteln“. Stubb nannte das Gespräch „offen und inhaltlich fundiert“ und sagte, um den Krieg zu beenden, seien direkte Gespräche nötig – sein Ausgang betreffe die Sicherheit ganz Europas. Støre betonte die Bedeutung von Deeskalation. Beide stellten klar, sie sprächen nur für ihre Länder, nicht für Europa.

Was der Kreml daraus macht

Die russische Lesart klingt anders. Nach dem Kreml-Protokoll, wie es dpa und andere Medien wiedergeben, machte Putin die „konfrontative Politik“ der EU- und Nato-Staaten für die Fortdauer der Kämpfe verantwortlich und bekräftigte, ein dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn Russlands „legitime Interessen“ berücksichtigt würden. Zugleich vereinbarten die drei, in direktem telefonischem Kontakt zu bleiben. Offen für eine Einbeziehung der Europäer hatte sich der Kreml bereits nach den Gesprächen mit Witkoff gezeigt. Putin informierte die Anrufer außerdem über die lokale Waffenruhe in Oleschky, über die wir bereits berichtet haben.

Vorgeschichte: Stubb und Støre hatten sich am 20. Oktober in Oslo mit Wolodymyr Selenskyj und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff getroffen. Witkoff reiste danach zu Putin; beide Seiten verständigten sich darauf, die Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA wieder aufzunehmen. Sie sollen in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden. Das Telefonat ist damit Teil eines Vorlaufs, nicht ein Alleingang aus dem Nichts. Selenskyj bedankte sich und schrieb, die beiden hätten Putin deutlich gemacht, dass „echte Deeskalationsschritte“ bei Energie und Infrastruktur nötig seien. Russland greift die ukrainische Energieversorgung weiter an, vor dem fünften Kriegswinter.

Warum Kopenhagen skeptisch ist

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte dem Sender DR, sie sei „sehr skeptisch“. Die Initiative sei nicht mit den Partnern abgestimmt, sie sehe keine Anzeichen, dass Russland Frieden mit Europa wolle, und Europa solle zusammenbleiben statt allein zu handeln. In Helsinki beschwichtigte Regierungschef Petteri Orpo: Die Regierung sei informiert gewesen, es gehe nicht um Finnlands bilaterales Verhältnis zu Russland, sondern um die Unterstützung der Ukraine (Yle). Reaktionen aus Berlin oder Brüssel lagen in den von uns ausgewerteten Berichten nicht vor.

Unsere Einschätzung: Das Gespräch ändert vorerst nichts am Kern des Konflikts – Moskaus Forderungen bleiben, wie sie sind. Sein Gewicht liegt woanders. Bisher lief der Draht zu Putin fast ausschließlich über Washington; nun gibt es einen zweiten, europäischen Kanal, wenn auch einen kleinen. Das kann Europas Stimme in Abu Dhabi stärken – oder, wie Frederiksen fürchtet, den Eindruck eines gespaltenen Europas verfestigen, den der Kreml gern nutzt. Welches Szenario eintritt, dürfte sich daran zeigen, ob die „direkten Kontakte“ tatsächlich fortgesetzt werden und ob Brüssel und Berlin den Kanal mittragen. Das ist eine Prognose mit begrenzter Sicherheit.

Zu beachten: Berichte widersprechen sich bei der Einordnung als „erster“ Kontakt. Die Nachrichtenagentur AP nennt es den ersten bekannten direkten Kontakt seit kurz nach der Invasion 2022; The National verweist darauf, dass Emmanuel Macron im Juli 2025 zuletzt mit Putin gesprochen habe. Sicher ist nur: Für Stubb und Støre ist es das erste Gespräch dieser Art in diesem Krieg. Auch zur Dauer der Waffenruhe in Oleschky gibt es zwei Angaben: bis Samstag (AP) beziehungsweise bis 1. November, 22:59 Uhr (ukrainischer Unterhändler David Arachamija, laut The National).

Quellen: Präsident von Finnland, t-online/dpa, ORF, Yle, AP, The National

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