Eine gemeinsame Delegation aus Vertretern der USA, der Ukraine und Russlands ist am Donnerstag an dem Punkt eingetroffen, von dem aus am Freitag humanitäre Hilfe in das russisch besetzte Oleschky in der Region Cherson gebracht werden soll. Das teilte Dawyd Arachamija, Fraktionschef der Partei „Diener des Volkes“, laut dem Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda in einem Telegram-Beitrag mit.
„Eine Delegation aus Vertretern der Ukraine, der USA und Russlands hat den Punkt erreicht, von dem aus morgen Hilfe nach Oleschky geliefert wird“, zitierte Ukrajinska Prawda Arachamija am Donnerstag, 29. Oktober. Vor Ort seien auch Journalisten aus allen drei Ländern, um nach seinen Worten einen „möglichst transparenten“ Ablauf des nächsten Etappenschritts der humanitären Mission zu gewährleisten. Der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge sagte Arachamija dies ebenfalls in einem Telegram-Beitrag am Donnerstag.
Arachamija teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur UNIAN zudem mit, dass die ukrainische Delegation unter Leitung des Menschenrechtsbeauftragten der Werchowna Rada, Dmytro Lubinez, am Donnerstag in Richtung Oleschky aufgebrochen sei. Man werde den Verlauf der Operation beobachten und darüber berichten, sobald es Verbindung gebe, zitierte UNIAN Arachamija. Lubinez selbst erklärte laut UNIAN, derzeit liefen die Räumungen der für die Mission nötigen Routen, parallel werde die humanitäre Fracht zusammengestellt, die „morgen“ nach Oleschky gebracht werden solle.
54 Stunden ohne Zwischenfall
Die Waffenruhe gilt seit dem 27. Oktober um 3.00 Uhr Kyjiwer Zeit und soll bis 22.59 Uhr am 1. November andauern. Nach Angaben von Lubinez hielt sie am Donnerstag bereits 54 Stunden, ohne dass eine Verletzung registriert wurde. Beide Seiten hielten sich vollständig an die vereinbarten Regelungen, sagte er laut dem englischsprachigen Angebot von NV. Dies sei auch der ständigen Kommunikation mit der russischen Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa zu verdanken; man stehe in Kontakt und koordiniere die Umsetzung. Ausdrücklich dankte Lubinez der US-First Lady Melania Trump, die sich persönlich um die Mission und die Hilfe für die Zivilbevölkerung in Oleschky kümmere.
Am 23. Oktober hatte das Weiße Haus nach Angaben von NV mitgeteilt, Melania Trump habe eine lokale Waffenruhe zwischen Russland und Ukraine in Oleschky erreicht. Lubinez hatte in der Nacht zum 27. Oktober die Feuerpause in Oleschky und weiteren mit der Mission verbundenen Gebieten bekannt gegeben; später bestätigte der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Kyrylo Budanow, den Beginn der humanitären Mission. Melania Trump erklärte anschließend, die Waffenruhe sei über Oleschky hinaus ausgedehnt worden, damit humanitäre Konvois sicher passieren könnten.
Wie die Menschen aus Oleschky herauskommen sollen
Nach den Vereinbarungen zwischen der russischen und der ukrainischen Seite soll die Evakuierungsroute für die Bewohner von Oleschky über Russland und Belarus in die Ukraine führen. Der US-Sender Fox News hatte laut Ukrajinska Prawda ein Dokument veröffentlicht, das die Unterschrift der russischen Menschenrechtsbeauftragten Lantratowa trägt. Danach sollen Bewohner, die in die Ukraine evakuiert werden wollen, zunächst zum Flughafen der Stadt Anapa in der Region Krasnodar in Russland gebracht werden. Von Anapa aus sollen die ukrainische Delegation und die Bewohner mit einem Militärtransportflugzeug des russischen Verteidigungsministeriums zum Flughafen der Stadt Homel in Belarus geflogen werden. Das werde wahrscheinlich am Samstag, 31. Oktober, geschehen.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte am 17. Oktober nach Angaben von NV mitgeteilt, in Oleschky seien noch etwa 1.700 Menschen. Ihnen fehlten Lebensmittel und Medikamente, ein sicherer Weg zur Evakuierung bestehe nicht. Um eine humanitäre Feuerpause in Oleschky hatte Papst Leo XIV. gebeten. Die Stadt in der Region Cherson ist seit Mai von der regulären Lebensmittelversorgung abgeschnitten.
Für Transparenz sorgen sollen nach den Worten von Melania Trump vier amerikanische Journalisten des Senders Newsmax, die vor Ort in Oleschky die Mission begleiten. Auf der Plattform X schrieb sie laut Hromadske, die Journalisten würden als „neutrale Beobachter“ unabhängig über die Operation berichten. Ihre Mitteilung zitierte auch einen Beitrag des russischen Präsidentenbeauftragten Kirill Dmitrijew, der erklärte, Russland heiße die Newsmax-Journalisten willkommen.
Der Thinktank Institute for the Study of War (ISW) sieht laut UNIAN eine der Hauptfragen der Operation darin, wie die russischen Behörden mit den Ukrainern umgehen und ob sie ihnen die freie Wahl lassen, in von der ukrainischen Regierung kontrolliertes Gebiet zurückzukehren. Die Waffenruhe läuft noch bis zum Abend des 1. November – danach wird sich zeigen, ob die Lieferungen und die Evakuierung wie geplant abgeschlossen werden können.



