Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Genehmigung der USA für 500 Patriot-Abfangraketen vom Typ PAC-3 als mögliches starkes Schutzpaket für diesen Winter bezeichnet und zugleich auf eine schnelle Lieferung gedrängt. In einem Beitrag auf Telegram schrieb Selenskyj laut der Nachrichtenagentur Ukrinform, 500 PAC-3-Abfangraketen seien „eine substanzielle Zahl“, und schon „sehr bald – in diesem Winter – könnten sie ein hocheffektives Verteidigungspaket ergeben“. Allerdings sei festgelegt worden, dass Lieferungen „erst in einigen Jahren“ beginnen könnten.
Der Präsident wandte sich damit am Samstag an die USA, einen Tag nach der Genehmigung des US-Außenministeriums. Wie tagesschau.de und n-tv.de am Freitag, 30. Oktober, berichteten, hatte das Außenministerium den Verkauf von 500 PAC-3-Raketen für Patriot-Systeme im geschätzten Wert von 2,1 Milliarden Dollar gebilligt. Der Verkauf muss noch vom US-Kongress gebilligt werden.
100 Abfangraketen pro Monat für den Winter
Selenskyj erläuterte, die Ukraine habe die USA um ein Winter-Unterstützungspaket im Umfang von 100 Patriot-Abfangraketen pro Monat gebeten.
Zur Begründung verwies der Präsident auf die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Allein in den letzten zwei Wochen des Oktobers habe es mehr als 30 russische Angriffe auf kritische Teile des ukrainischen Energienetzes gegeben, schrieb er. Jetzt, kurz vor dem Winter, habe Putin seine Angriffskampagne auf die lebenswichtigen Dienste gestartet, die die Städte und Gemeinden versorgen: Strom, Heizung, Wasserversorgung, Brücken und das Leben in den Städten insgesamt.
Als Ausweg schlug Selenskyj vor, die Raketen aus vorhandenen Beständen der USA, europäischer Länder und anderer Partner sofort zu liefern und die Arsenale später aus bereits bezahlten Produktionsverträgen wieder aufzufüllen. „Ihnen die Raketen jetzt zu geben – im Winter 2026–2027 – und die Arsenale unserer Partner später aufzufüllen, wäre der richtige Ansatz. Und er ist völlig machbar“, so der Präsident. Er dankte US-Präsident Donald Trump, dem Außenministerium und der gesamten US-Regierung für die Genehmigung, verlangte aber Entscheidungen, die Leben schützen – „nicht übermorgen oder irgendwann später, sondern in dem Moment, in dem die Bedrohung da ist“.
Wer bezahlt – und was bislang zugesagt ist
Nach Angaben des US-Außenministeriums, die tagesschau.de und n-tv.de wiedergeben, wird die Finanzierung durch Beiträge Kanadas, Deutschlands und Norwegens sowie durch ukrainische Eigenmittel getragen, die über einen Kredit der EU finanziert wurden. „Es würden keine US-Gelder eingesetzt“, hieß es in der Mitteilung. Hauptauftragnehmer ist demnach der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Das Ministerium erklärte, der Verkauf stärke die integrierten Luft- und Raketenabwehrkapazitäten der Ukraine.
Wann die Raketen in der Ukraine ankommen könnten, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Der ukrainische Präsident hatte nach Angaben von tagesschau.de und n-tv.de Anfang der Woche erklärt, sein Land warte angesichts verstärkter russischer Angriffe auf die Infrastruktur seit fast einem Monat auf die Genehmigung der Raketenlieferungen.
Dem Nachrichtenportal NV zufolge schrieb Selenskyj in der Nacht zum 30. Oktober in seinen sozialen Netzwerken, die Raketen würden schon in diesem Winter gebraucht, um die Energieinfrastruktur vor russischen Angriffen zu schützen. NV berichtet zudem, der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grynkewich, habe am 30. Oktober erklärt, die USA lieferten weiterhin Abfangraketen für Patriot-Systeme sowie von europäischen Verbündeten bezahlte Waffenpakete an die Ukraine. General Alexus Grynkewich sagte dem Bericht zufolge: „Keiner der Punkte im PURL-Paket, für das die europäischen Verbündeten bezahlt haben, hat Verzögerungen erfahren.“
Für die Ukraine geht es in diesen Wochen um mehr als Waffenzahlen: Patriot-Systeme gelten als besonders wirksam gegen ballistische Raketen, mit denen Russland gezielt Kraftwerke, Umspannwerke und Heizungsanlagen angreift. Nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Witali Klitschko, die tagesschau.de zitiert, griffen russische Streitkräfte auch am Freitagabend die ukrainische Hauptstadt an; Ziel sei die Infrastruktur gewesen, in vier Bezirken sei teils der Strom ausgefallen, erklärte der Energieversorger DTEK.
Einschätzung der Redaktion: Die Genehmigung ist ein formaler Schritt, kein Liefertermin. Solange die Produktion Jahre dauert und der Kongress zustimmen muss, bleibt offen, ob die zugesagten Abfangraketen rechtzeitig zum Winter in der Ukraine ankommen – Selenskyjs Vorstoß zielt genau auf diese Lücke.
Zuvor berichtet: 500 Patriot-Raketen für Kyjiw: genehmigt, nicht geliefert



