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Aiwangers Tod: Was jetzt in Bayerns Koalition passiert

Hubert Aiwanger ist mit 55 Jahren gestorben. Warum die Koalition aus CSU und Freien Wählern nach seinem Tod eher hält als zerbricht – und was jetzt offen ist.

Aiwangers Tod: Was jetzt in Bayerns Koalition passiert
Archivfoto: Flocci Nivis / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Hubert Aiwanger ist mit 55 Jahren gestorben. Warum die Koalition aus CSU und Freien Wählern nach seinem Tod eher hält als zerbricht – und was jetzt offen ist.

Hubert Aiwanger ist tot. Der bayerische Wirtschaftsminister, stellvertretende Ministerpräsident und Chef der Freien Wähler wurde am Mittwochabend in einem Berliner Hotel leblos aufgefunden, er wurde 55 Jahre alt. Die vorläufige Obduktion ergab nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf Fremdverschulden; weitere Untersuchungen laufen. Stand: 6. November, 11 Uhr.

Was bekannt ist: Aiwanger sollte am Nachmittag die neue Bundesgeschäftsstelle seiner Partei am Berliner Gendarmenmarkt eröffnen, sagte aber kurzfristig ab, es hieß, er fühle sich unwohl. Digitalminister Fabian Mehring sprang ein und wünschte ihm auf LinkedIn gute Besserung – er ging von „quasi einem Schnupfen“ aus. Nach Angaben von Focus, die t-online zitiert, öffnete gegen 19 Uhr ein Hotelmitarbeiter das Zimmer, nachdem Parteifreunde ihn nicht erreicht hatten. Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise, es gebe keine Hinweise auf eine Straftat; die Behörden gingen zunächst von einem natürlichen Tod aus. Die Todesursache ist offiziell nicht benannt.

Wer führt jetzt das Wirtschaftsministerium?

Söder würdigte Aiwanger in einer Mitteilung der Staatsregierung als „prägende Figur“, als „ein echtes Mannsbild, ein starker Bayer, ein guter Wirtschaftsminister und ein warmherziger Mensch“. Zugleich kündigte er an, die gemeinsame Arbeit der Regierung fortzusetzen. Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler), der gerade auf einer Delegationsreise in Singapur war und nach Bayern zurückkehrt, soll laut ORF das Ressort vorübergehend führen. Für heute 11 Uhr hat das Ministerium eine Pressekonferenz angesetzt.

Hinter der Trauer steht eine nüchterne Rechnung. CSU und Freie Wähler regieren seit November 2023 mit 122 von 203 Landtagssitzen – die CSU allein hat mit 85 Sitzen keine Mehrheit, die Freien Wähler stellen 37 Abgeordnete und vier der Kabinettsmitglieder: Aiwanger, Bildungsministerin Anna Stolz, Umweltminister Thorsten Glauber und Mehring. Die Koalition stand und fiel in der öffentlichen Wahrnehmung mit ihm: Aiwanger führte die Partei 2008 in den Landtag und 2018 erstmals in die Regierung. Auch die Flugblatt-Affäre 2023, die ihn kurz vor der Landtagswahl erschütterte, überstand er – Söder hielt an ihm fest.

Drei Wege, die jetzt offen sind

Wahrscheinlich – so unsere Einschätzung, die auf der Arithmetik beruht und keine Insiderinformation ist – setzt die Koalition fort. Ein Bruch würde der CSU die Mehrheit kosten, Alternativen wären nur mit Grünen oder SPD denkbar, und der nächste reguläre Wahltermin liegt erst im Herbst 2028. Offen ist, wie die Aufgaben verteilt werden: Die Freien Wähler dürften Anspruch auf das Wirtschaftsressort und den Posten des Vize-Regierungschefs erheben; über beides entscheidet am Ende Söder, neue Minister brauchen nach der Bayerischen Verfassung die Zustimmung des Landtags. Das zweite Szenario ist ein Machtgewinn für die CSU: Söder könnte die Lücke nutzen, Zuschnitte zu verhandeln, etwa beim Energiedossier, das im Wirtschaftsministerium liegt. Das dritte ist ein Nachfolgestreit bei den Freien Wählern selbst. Für den Parteivorsitz werden laut t-online Mehring und Fraktionschef Florian Streibl genannt; offiziell ist nichts entschieden. Mitte November sollte Aiwanger ohnehin als Bundesvorsitzender bestätigt werden.

Klar ist: Eine Partei, die stark auf eine Person zugeschnitten war, muss sich in wenigen Wochen neu sortieren – und Bayerns Regierung hat zwei Jahre vor der Wahl einen Vize, der fehlt. Wie sicher diese Einschätzung ist, hängt von den nächsten Tagen ab: Entscheidend ist, ob die Freien Wähler schnell einen Nachfolger präsentieren, auf den sich auch Söder einlassen kann.

Quellen: Bayerische Staatsregierung, Bayerisches Wirtschaftsministerium, ORF, Tagesspiegel, t-online

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