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Ukraine: 310 russische Drohnen, Treffer an 19 Orten

Russland hat in der Nacht zu Mittwoch 310 Drohnen auf die Ukraine gestartet, 272 davon wurden abgefangen. Getroffen wurden Energieanlagen, ein Einkaufszentrum in Odessa und ein Industriebetrieb in Dnipro.

Ukraine: 310 russische Drohnen, Treffer an 19 Orten
Grafik: EuroPulse

Russland hat in der Nacht zu Mittwoch 310 Drohnen auf die Ukraine gestartet, 272 davon wurden abgefangen. Getroffen wurden Energieanlagen, ein Einkaufszentrum in Odessa und ein Industriebetrieb in Dnipro.

Mit 310 Drohnen hat Russland in der Nacht zu Mittwoch Ziele in der ganzen Ukraine angegriffen, 272 davon hat die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben abgeschossen oder neutralisiert. Das teilte die Luftwaffe am Mittwoch, 4. November, um 8 Uhr mit, wie unter anderem die Kyiv Post und n-tv berichten. Der Angriff begann laut Quellen am Dienstagabend und umfasste neben Shahed-Drohnen – darunter 81 mit Düsenantrieb – auch Gerbera-Drohnen und Parodija-Täuschdrohnen.

Nach vorläufigen Angaben der Luftwaffe trafen russische Drohnen 19 Orte, an 15 weiteren Stellen gingen Trümmer abgeschossener Drohnen nieder. Nach Angaben des Generalstabs, die n-tv zitiert, blieben mehr als 20 Drohnen weiter im ukrainischen Luftraum, die Abwehr lief am Morgen noch. Beteiligt waren laut Kyiv Post Flugabwehrraketen-Einheiten, Einheiten für elektronische Kampfführung und für unbemannte Systeme sowie mobile Feuerteams.

Odessa, Kowel, Riwne: Wo die Drohnen einschlugen

In Odessa traf es am Dienstagabend ein Einkaufszentrum. Lokale Medien berichten laut n-tv, es handele sich um das Zentrum „Sim’ya“. Der Staatliche Katastrophenschutz (DSNS) bestätigte den Einschlag und teilte mit, es sei ein Großbrand ausgebrochen, den die Einsatzkräfte löschen konnten. „Trotz wiederholter Flugalarme löschten die Einsatzkräfte das Feuer umgehend und verhinderten eine weitere Ausbreitung“, zitierte die Kyiv Post den DSNS. Nach ersten offiziellen Berichten gab es keine Opfer. Der Leiter der Stadtverwaltung von Odessa ergänzte, die Druckwelle habe Fenster in benachbarten Gebäuden zerstört.

In Kowel in der Region Wolhynien beschädigte ein Angriff am Dienstag eine Infrastrukturanlage, weite Teile der Stadt waren laut Bürgermeister Ihor Tschajka ohne Strom. Das Wasserwerk Kowelwodokanal schaltete auf Notstrom um, die Wasserversorgung lief bis 23.15 Uhr am Dienstag. Wenn sich die Lage nicht ändere, sollte Wasser am Mittwoch von 6 bis 9 Uhr geliefert werden, schrieb Tschajka auf Facebook. Die Heizung in den Wohnhäusern lief demnach weiter.

In der Region Ternopil trafen Drohnen eine Energieanlage, die Einsatzkräfte waren nach Angaben der Regionalbehörden vor Ort im Einsatz. In Riwne waren gegen 4 Uhr Explosionen zu hören, wie der Gouverneur der Region, Oleksandr Kowal, mitteilte. Russische Kräfte hätten versucht, Energieinfrastruktur zu treffen; im Bezirk Riwne brannte ein privates Wohnhaus, Verletzte gab es laut Kowal nicht. In Dnipro schlugen russische Kräfte auf einem Industriegelände ein, zwei Männer im Alter von 38 und 57 Jahren wurden durch Splitter verletzt und kamen in mittelschwerem Zustand ins Krankenhaus, außerdem brach ein Feuer aus.

Bereits am Dienstagabend hatte Russland nach Angaben des Stadtrats von Schytomyr die Energieinfrastruktur der Stadt attackiert. Der Rat kündigte an, sollten die Stromversorgung bis zum Morgen nicht wiederhergestellt sein, würden ab 9 Uhr am Mittwoch in der gesamten Gemeinde „Unbesiegbarkeitspunkte“ öffnen – Notfallzentren, in denen Menschen sich aufwärmen, ihre Telefone laden und ins Internet gehen können.

Angriffe kurz vor neuen Verhandlungen

Die neue Welle fällt in eine heikle Phase. Für den 10. und 11. November sind in Abu Dhabi nach Angaben der Kyiv Post weitere Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA angesetzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert eine Waffenruhe, zu der auch ein Ende der Angriffe auf die Energieinfrastruktur gehören soll, als ersten Schritt zu einer umfassenderen Lösung. Am Dienstag sagte Selenskyj in Berlin, eine Waffenruhe sei auch ohne ein direktes Treffen der Staatsführung der Ukraine und Russlands umsetzbar. Zugleich warnte er, die fortgesetzten russischen Angriffe untergrüben die Aussichten auf ernsthafte Verhandlungen.

Die Ukraine drängt ihre westlichen Partner seit Monaten, Luftverteidigungssysteme und Abfangraketen schneller zu liefern – auch mit Blick auf die zunehmenden Angriffe auf das Stromnetz. Nach Einschätzung der Redaktion zeigt die Nacht auf Mittwoch, wie eng militärischer Druck und Diplomatie inzwischen verknüpft sind: Jede neue Angriffswelle schwächt die Position jener, die in Abu Dhabi über eine Feuerpause verhandeln wollen.

Die Angriffe vom Dienstag und der Nacht zu Mittwoch sind Teil einer größeren Kampagne. Nach einer Auswertung des Institute for the Study of War (ISW), über die n-tv berichtet, hatte Russland seit der Nacht von Montag auf Dienstag und im Laufe des Dienstags mehr als 20 Energieanlagen ins Visier genommen und große Schäden sowie Stromausfälle verursacht. Der Netzbetreiber Ukrenergo bezeichnete den Angriff laut dem Nachrichtenportal NV als einen der größten auf die ukrainische Energieinfrastruktur seit Kriegsbeginn; binnen 24 Stunden habe es mehr als 20 konzentrierte Angriffe mit einer „beispiellosen Menge an Angriffswaffen“ gegeben, weshalb in mehreren Regionen – darunter Kyjiw und die Region Kyjiw – Notabschaltungen nötig wurden. Die Angriffe fallen mit dem Beginn der Heizperiode zusammen.

Russlands Verteidigungsministerium meldete auf Telegram, zwei Kraftwerke in den Regionen Kyjiw und Schytomyr seien getroffen worden, zudem sei ein Frachtschiff nahe der Hafenstadt Odessa attackiert worden. Diese Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim kam es nach einem Unfall zu Stromausfällen, wie n-tv berichtet.

Quellen

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