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Ukrainische Energieunternehmen fordern mehr Luftabwehr für den Winter

Naftogaz, Ukrenergo, Energoatom, der Gastransporteur und Ukrhydroenergo bitten internationale Partner in einer gemeinsamen Erklärung um mehr Luftabwehr, Geld und Ausrüstung – vor einem Winter, der einer der schwierigsten werden könnte.

Ukrainische Energieunternehmen fordern mehr Luftabwehr für den Winter
Symbolbild: https://kaboompics.com/ / Pexels

Naftogaz, Ukrenergo, Energoatom, der Gastransporteur und Ukrhydroenergo bitten internationale Partner in einer gemeinsamen Erklärung um mehr Luftabwehr, Geld und Ausrüstung – vor einem Winter, der einer der schwierigsten werden könnte.

Die großen ukrainischen Energieunternehmen haben ihre internationalen Partner in einer gemeinsamen Erklärung aufgefordert, die Hilfe für das Land vor dem Winter deutlich auszuweiten und zu beschleunigen. Wie die Nachrichtenagentur Ukrinform am Mittwoch, 21. Oktober, berichtete, stammt das Papier von der Naftogaz-Gruppe, dem Netzbetreiber Ukrenergo, dem Atomkonzern Energoatom, dem Betreiber der Gassysteme der Ukraine und dem Wasserkraftwerksbetreiber Ukrhydroenergo.

Die Unternehmen betonen darin, Russland setze seine systematischen Angriffe auf die ukrainische Stromerzeugungs- und -übertragungsinfrastruktur, auf Anlagen zur Gasförderung, -speicherung und zum Gastransport sowie auf die Wärmeversorgungssysteme fort. Diese Angriffe gefährdeten auch die nukleare und Strahlensicherheit, weil die zuverlässige externe Stromversorgung für den sicheren Betrieb der ukrainischen Kernkraftwerke unerlässlich sei. Der bevorstehende Winter könnte nach Einschätzung der Energiearbeiter einer der schwierigsten seit Beginn der umfassenden Invasion werden.

„Die Tatsache, dass das ukrainische Energiesystem weiterhin funktioniert, bedeutet jedoch nicht, dass es in Sicherheit ist. Jeder neue Angriff verschärft die Zerstörung und erhöht die Belastung für Ausrüstung, Personal und finanzielle Ressourcen“, heißt es in der Erklärung.

Die Wiederherstellungsarbeiten allein, so die Unternehmen weiter, könnten die Folgen systematischer Zerstörung nicht endlos ausgleichen. Zugleich sei Energiesicherheit nicht auf Landesgrenzen beschränkt: Der Schutz der ukrainischen Energieinfrastruktur stärke die gemeinsame Sicherheit Europas.

Fünf Forderungen an die Partner

Die Unternehmen nennen in dem Papier fünf vorrangige Bereiche, in denen sie Unterstützung verlangen. An erster Stelle steht der Schutz der kritischen Energieinfrastruktur durch eine verstärkte Luftverteidigung und physischen Schutz – ausdrücklich auch der Anlagen, die für die nukleare und Strahlensicherheit wichtig sind. Zweitens fordern sie eine schnellere Nothilfe bei Finanzierung, Lieferung und Anschluss von Ausrüstung. Drittens sollen die Partner Möglichkeiten für Gas- und Stromimporte im Winter sicherstellen. Viertens geht es um die Mobilisierung von Zuschüssen, Vorzugskrediten, Garantien und Versicherungen gegen Kriegsrisiken für dringende Reparaturen und Investitionen. Fünftens verlangen die Energieunternehmen verschärfte Sanktionen gegen Russland, insbesondere gegen dessen Öl- und Gassektor.

„Die Skalen und die Schnelligkeit der internationalen Hilfe müssen den Skalen und der Geschwindigkeit der russischen Angriffe sowie der Dringlichkeit der Bedürfnisse der Ukraine entsprechen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Die Unterzeichner bedanken sich zugleich bei Regierungen, internationalen Organisationen, Finanzinstitutionen und privaten Partnern, deren Unterstützung geholfen habe, das ukrainische Energiesystem aufrechtzuerhalten.

Wie verwundbar ist das Netz noch?

Die Warnung fällt in eine Phase verstärkter russischer Luftangriffe. Ukrinform verweist in seiner Meldung darauf, dass Russland seit der Nacht zum 20. Oktober ununterbrochen Energieanlagen, die Eisenbahn, Einkaufszentren und Wohnhäuser in der Ukraine angreife. Die österreichische Zeitung Die Presse beschrieb am Sonntag, 18. Oktober, unter Berufung auf den Energie-Think-Tank DiXi Group, die russische Winterkampagne habe bereits begonnen: Seit Ende September nähmen die Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu, im September habe Russland mehr als 6.300 Langstreckendrohnen gegen die Ukraine eingesetzt, 30 Prozent mehr als im August.

Der Forschungsdirektor der DiXi Group, Roman Nizowytsch, sagte der Presse, er halte ein pessimistisches Szenario für „sehr wahrscheinlich“: „Im Grunde sehen wir die Wiederholung der Situation in Kyjiw von Ende Jänner 2026, aber in größerem Maßstab. Die Russen halten gezielt den Druck aufrecht, um das Leben unmöglich zu machen, Menschen zur Flucht zu zwingen und die Lage zu destabilisieren.“ Bei der Gasversorgung zeigte er sich vorsichtig optimistisch: „Unsere Gasspeicher sind voll im Gegensatz zu den EU-Mitgliedsstaaten.“ Die Regierung habe im August damit gerechnet, die verfügbare Stromleistung einschließlich Importmöglichkeiten bis Jahresende auf 21,4 Gigawatt steigern zu können – sofern weitere russische Angriffe keine erheblichen Schäden verursachen.

Was das für Europa bedeutet

Die DiXi-Group-Präsidentin Olena Pawlenko verwies gegenüber der Presse auf den von der Regierung verabschiedeten Resilienzplan, der die Kommunen zur Aktivität aufrufe: „Das ist eine Top-Down-Maßnahme. Damit wird die Verantwortung an Gemeinden und Städte übertragen.“ Städte seien unterschiedlich gut vorbereitet; anders als Kyjiw gälten Chmelnyzkij, Schytomir und mehrere westukrainische Städte als gut gewappnet. Für einen Umbau des Systems sei allerdings mehr Zeit nötig, als die Ukraine habe: „Man kann nicht das gesamte System innerhalb von sechs Monaten umgestalten. Sechs Jahre wären realistischer.“

Die in Wien ansässige Energiegemeinschaft bündelt laut Presse mit ihrem Hilfsfonds internationale Finanzhilfen für die Ukraine; bis Anfang Oktober waren demnach mehr als 2,4 Milliarden Euro zugesagt. Nizowytsch mahnte zugleich, die europäische Öffentlichkeit solle sich auf Szenarien wie Stromausfälle oder beschädigte Umspannwerke vorbereiten; die baltischen Staaten investierten bereits in zusätzliche Schutzmaßnahmen für ihre Energieanlagen.

Für die Menschen in der Ukraine geht es in den kommenden Wochen um Heizung, Licht und Wasser. Die Energieunternehmen machen in ihrer Erklärung deutlich, dass sie die Reparaturen fortsetzen – aber dass Tempo und Umfang der internationalen Hilfe aus ihrer Sicht mit den russischen Angriffen Schritt halten müssen. Ob das gelingt, entscheidet sich vor dem ersten Frost.

Quellen

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