Fr., 30 Okt. 2026 Kyjiw 08:30Berlin 07:30London 06:30 UKR / DE / EN

Oleschky: Entminung fertig, Hilfskonvoi steht bereit

Die Räumung der Zufahrtswege nach Oleschky ist nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten abgeschlossen, der Hilfskonvoi wartet. Wann die Evakuierung der Eingeschlossenen beginnt, ist weiter offen.

Oleschky: Entminung fertig, Hilfskonvoi steht bereit
Symbolbild: Lidia Volovaci / Pexels

Die Räumung der Zufahrtswege nach Oleschky ist nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten abgeschlossen, der Hilfskonvoi wartet. Wann die Evakuierung der Eingeschlossenen beginnt, ist weiter offen.

Nach Angaben von Interfax-Ukraine ist die Entminung der Routen für die humanitäre Mission in der besetzten Stadt Oleschky im Gebiet Cherson abgeschlossen. Der Hilfskonvoi sei bereit zur Abfahrt, erklärte Lubinez nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Damit könnte die seit Tagen vorbereitete Rettungsaktion für Tausende eingeschlossene Menschen ab Freitag in ihre entscheidende Phase gehen.

Ein genauer Zeitplan für den Beginn der Evakuierung liegt bislang nicht vor. Der Schweizer Sender SRF berichtete, die Evakuierung solle ab Freitag beginnen – für diejenigen, die damit einverstanden sind. Lubinez zufolge sollten die ersten humanitären Güter am Freitag geliefert werden, sofern die Entminung bis dahin weit genug fortgeschritten ist. Der Menschenrechtsbeauftragte selbst war nach diesen Angaben unterwegs nach Oleschky, um die Aktion zu begleiten.

Seit Dienstag schweigen die Waffen

Die örtliche Feuerpause war am Dienstag, 27. Oktober, um drei Uhr morgens Ortszeit in Kraft getreten. Nach ukrainischen Angaben soll sie bis zum 1. November um 22.59 Uhr Ortszeit gelten, wie die Berliner Zeitung berichtet. In den ersten 30 Stunden sei die Vereinbarung nach Darstellung beider Kriegsparteien eingehalten worden, erklärten die Menschenrechtsbeauftragten Russlands und der Ukraine am Mittwoch. Die russische Beauftragte Jana Lantratowa und Lubinez tauschten sich demnach regelmäßig über die Umsetzung aus; beide dankten der US-Präsidentengattin Melania Trump für ihre Vermittlung.

Die Vereinbarung war am 23. Oktober bekannt gegeben worden. Nach Angaben des Weißen Hauses hatte Melania Trump mit Vertretern Russlands und der Ukraine über die Bedingungen verhandelt. Die US-Präsidentengattin erklärte, ausreisewillige Bewohner sollten Unterstützung erhalten, um an einen Zielort ihrer Wahl zu gelangen; sie rechne damit, dass einige nach Russland und andere in die Ukraine reisen wollten. Nach Angaben von Interfax-Ukraine hatte Trump zudem mitgeteilt, die Waffenruhe sei um zwei Tage vorgezogen und die geografische Zone über Oleschky hinaus ausgeweitet worden, um humanitären Konvois sichere Durchfahrt zu ermöglichen. Diese Information habe sie vom Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow, erhalten.

6000 Menschen, 200 Kinder – und ein riskanter Weg

Nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten vom September könnten noch mehr als 6000 Menschen in Oleschky und Umgebung leben, darunter etwa 200 Kinder. Nach Feststellungen seiner Behörde müssen 358 Menschen dringend in Sicherheit gebracht werden. Die österreichische Zeitung Der Standard berichtete, geplant sei zunächst die Evakuierung von 500 Menschen. Direkt auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet dürften sie nicht, die Route führe zunächst tiefer in russisch kontrolliertes Territorium.

Die Lage in der Stadt am östlichen Ufer des Dnipro, gegenüber der Stadt Cherson, ist desolat. Oleschky ist seit Beginn der russischen Invasion 2022 besetzt. Nach Berichten des Kyiv Independent fehlt es den verbliebenen Einwohnern an Lebensmitteln, Medikamenten, Strom und weiteren lebenswichtigen Gütern. Verminte Straßen, Drohnenangriffe und russische Zugangsbeschränkungen erschwerten die Versorgung und versperrten Fluchtwege.

Die Evakuierungshelferin Ksenija Archipowa warnte im Gespräch mit dem Kyiv Independent, die Menschen, die nach einer größeren Evakuierung in Oleschky blieben, könnten noch stärker gefährdet sein. Sie befürchtet, dass die Stadt nach dem Abzug vieler Zivilisten verstärkt angegriffen werden könnte und die übrigen Einwohner keine Hilfe mehr erhielten.

Misstrauen begleitet die Rettungsaktion

Die SRF-Korrespondentin Judith Huber beschrieb am Donnerstagabend in «Echo der Zeit», wie die Aktion möglich wurde: Die Ukraine habe die Aufmerksamkeit auf die Zustände in Oleschky gelenkt, weltweit sei Druck entstanden. Zugleich komme die Aktion Trump vor den anstehenden Zwischenwahlen gelegen, und die russische Armee profitiere von der Waffenruhe. Es gebe Berichte aus der Ukraine, wonach russische Truppen die Atempause nutzten, um Soldaten zu rotieren, Stellungen auszubauen und sich darauf vorzubereiten, nach dem Ende der Waffenruhe das gegenüberliegende Cherson umso stärker anzugreifen.

Auch die Begleitung der Aktion ist umstritten. Nach Angaben von Melania Trump werden vier Journalisten des Senders Newsmax vor Ort sein; die First Lady bezeichnete sie als neutral. Der Sender gilt als Trump-nah. Nach Kenntnis von SRF-Korrespondentin Huber sind sonst keine Medienschaffenden und keine UNO-Beobachter zugelassen, offenbar auch nicht das Rote Kreuz. Viele in der Ukraine befürchten laut SRF eine von Trump und den Russen inszenierte PR-Show.

Wie es nach dem 1. November weitergeht, ist offen. Für die erste Novemberhälfte sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj neue Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA vorgesehen. Als mögliche Verhandlungsorte wurden laut Reuters Abu Dhabi und die Schweiz genannt.

Zuvor berichtet: Delegationen aus USA, Ukraine und Russland am Startpunkt für Oleschky

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →