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Nach Luftangriff auf Komyschuwacha: 31 Tote, fast 50 Vermisste

Die Zahl der Todesopfer nach dem Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist auf 31 gestiegen. Fast 50 Menschen gelten laut dem amtierenden Gouverneur Mychajlo Semikin als vermisst.

Nach Luftangriff auf Komyschuwacha: 31 Tote, fast 50 Vermisste
Grafik: EuroPulse

Die Zahl der Todesopfer nach dem Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist auf 31 gestiegen. Fast 50 Menschen gelten laut dem amtierenden Gouverneur Mychajlo Semikin als vermisst.

Die Zahl der Todesopfer nach den Luftangriffen auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist auf 31 gestiegen, fast 50 Menschen gelten als vermisst. Das sagte der amtierende Leiter der regionalen Militärverwaltung, Mychajlo Semikin, in einem Fernsehinterview, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet. Fünf Verletzte seien zudem in Krankenhäusern, sagte Semikin weiter.

Nach Angaben Semikins hat die russische Armee am Montag, 2. November, mindestens neun Luftangriffe auf das Dorf geflogen. Die Ortschaft sei genau in dem Moment getroffen worden, als Menschen in einem Resilienzzentrum humanitäre Hilfe erhielten. „Sie haben mit KAB-500-Lenkbomben begonnen und dann FAB-3000-Bomben eingesetzt“, sagte Semikin laut Ukrinform. Eine FAB-3000 enthalte 1,5 Tonnen Sprengstoff und sei dafür gebaut, stark armierte Betonbunker zu zerstören. Nach einem direkten Treffer sei die Betonkonstruktion im Inneren des Gebäudes eingestürzt, ein Feuer sei ausgebrochen.

Für die Opfer hat die Region nach Semikins Worten drei Trauertage ausgerufen, vom 3. bis zum 5. November. Es handele sich um eine der tödlichsten Tragödien in der Region seit Beginn des russischen Angriffskriegs in vollem Umfang.

Erst Hilfe, dann Schutzraum – und ein zweiter Angriff

Der Angriff traf nach Darstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Schulgebäude, in dem wegen der Nähe zur Frontlinie längst kein Unterricht mehr stattfand. Das Gebäude und sein Schutzraum seien für humanitäre Arbeit genutzt worden, die Hilfe sei dort jeden Montag verteilt worden. Der erste Angriff habe die Menschen getroffen, als sie zur Ausgabe der Hilfsgüter gekommen seien. Sie hätten Schutz gesucht, danach habe es einen zweiten Luftangriff direkt auf den Schutzraum gegeben, berichtete Selenskyj am Abend des 2. November, wie das Nachrichtenportal Glavnoe in Ukraine schrieb. Die meisten Getöteten seien Zivilisten gewesen, die Hilfe abholen wollten, sowie Menschen, die nach dem ersten Einschlag zu Hilfe geeilt seien.

Unter den Toten sind nach früheren Angaben auch zwei Mitarbeiter des Staatlichen Katastrophenschutzes und vier Polizisten. Die Rettungs- und Sucharbeiten am Unglücksort dauern an; wiederholte Luftalarme und die Gefahr weiterer Angriffe erschweren sie.

Selenskyj in Berlin erwartet

Der Angriff fällt zeitlich mit einem Besuch Selenskyjs in Berlin zusammen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte am Morgen an, der ukrainische Präsident werde an diesem Dienstag in der Hauptstadt erwartet, wie tagesschau.de berichtet. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht öffentlich bekannt. Hintergrund dürften nach Einschätzung der Redaktion geplante Gespräche auf Beraterebene zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi sein, die der US-Sondergesandte Steve Witkoff angekündigt hat; zudem sollen US-Gesandte in dieser Woche mit Vertretern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der NATO und der EU zusammenkommen. Zuletzt hatten die USA, Russland und die Ukraine im Februar im Dreierformat miteinander gesprochen.

Selenskyj warf Moskau gezieltes Bombardement vor. „Russland konnte nicht entgangen sein, dass die in Komyschuwacha verbliebenen Einwohner jede Woche eben dort humanitäre Hilfe erhalten“, schrieb er laut tagesschau.de in sozialen Medien und sprach von einem „hinterhältigen Terroranschlag“. „Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Russland keine Deeskalation will.“

Die Angaben zum Ausmaß der Zerstörung gehen zwischen den Quellen auseinander: tagesschau.de berichtet unter Berufung auf Selenskyj von zehn gelenkten Bomben, die in dem Gebiet einschlugen, während Semikin laut Ukrinform von mindestens neun Luftangriffen spricht. Die Zahl der Vermissten nannte Semikin am Montag mit 27 (S3), am Dienstag sprach er von fast 50 (S1).

In der Nacht zum Dienstag und am Morgen meldeten die Behörden zudem Angriffe auf die Energieinfrastruktur in mehreren Landesteilen. In der Region Schytomyr waren nach Angaben von Gouverneur Witalij Bunetschko mehr als 180.000 Haushalte ohne Strom, betroffen waren rund 130 Ortschaften. In der Region Odessa kam es nach Angaben des privaten Energieversorgers DTEK zu Notabschaltungen, nachdem eine Anlage schwer beschädigt worden war; auch Kyjiw war laut tagesschau.de von Notabschaltungen betroffen. Russland bestätigte die großangelegten Angriffe auf Energieanlagen nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.

Zuvor berichtet: Zahl der Toten in Komyschuwacha steigt auf 24

Quellen

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