Die Zahl der Toten nach dem russischen Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist auf 53 gestiegen. Das teilte Juriia Baryschewa, Sprecherin der Hauptverwaltung des Staatlichen Katastrophenschutzes (DSNS) in der Region Saporischschja, am Freitag bei einer ressortübergreifenden Pressekonferenz mit, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet. „Die Rettungskräfte haben bislang 53 Leichen geborgen. Rund 50 weitere Menschen gelten noch als vermisst. Die Sucharbeiten laufen weiter“, sagte Baryschewa.
Der Gouverneur der Region, Mychajlo Semikin, hatte die Zahl am Freitag um 10.51 Uhr auf Telegram bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine meldet. Demnach lag der Stand des Katastrophenschutzes um 10.49 Uhr bei 50 Toten; bei den Sucharbeiten bargen die Rettungskräfte anschließend acht weitere Leichname aus den Trümmern. Am Donnerstag, 5. November, hatte die Zahl der Toten noch bei 43 gelegen.
Fünf Tage Suche unter Dauerbeschuss
Seit fünf Tagen sind die Rettungskräfte im Einsatz. Neben Teams und Suchhunden aus der Region Saporischschja arbeiten laut Ukrinform auch Einheiten aus anderen Regionen an der Unglücksstelle; die Einsatzkräfte werden in gepanzerten Fahrzeugen zum Ort gebracht. Die Arbeiten würden durch ständige Gefahr, Beschuss und Angriffe erschwert, weshalb die Rettungskräfte ihren Einsatz zeitweise unterbrechen müssten. Der Hundeführer Roman Samolenko sagte laut Ukrinform, auch die große Staubmenge behindere die Suche.
Der Angriff hatte sich am Montag, 2. November, ereignet. Russische Truppen griffen Komyschuwacha nach Angaben der Behörden mit Fliegerbomben an und trafen gezielt ein unterirdisches Schulgebäude, in dem Menschen humanitäre Hilfe erhielten. Nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj folgte auf den ersten Treffer ein zweiter Angriff mit neun weiteren Fliegerbomben direkt auf den Schutzraum, in den sich die Menschen geflüchtet hatten. Der Ko-Vorsitzende des Verteidigungsrats der Region Saporischschja, Iwan Fedorow, sagte laut NV, russische Truppen hätten den Schutzraum mit drei Tonnen schweren FAB-3000-Bomben getroffen, die etwa dreimal so wirkungsvoll seien wie eine ballistische Rakete. Nach Angaben der Kyiv Independent vom 4. November befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs möglicherweise rund 100 Menschen an der Stelle.
Unter den Toten sind nach Angaben des Katastrophenschutzes zwei Rettungskräfte und vier Polizisten. Die beiden Rettungskräfte Denys Konowalenko und Oleksij Suschtschewskyj waren laut DSNS beide 44 Jahre alt. Sieben zuvor als vermisst gemeldete Menschen wurden nach Angaben von NV lebend und unversehrt gefunden.
Ein Dorf 20 Kilometer von der Front
Komyschuwacha liegt nach Angaben des Investigativzentrums Saporischschja etwa 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt und gilt seit November 2025 als Frontsiedlung. Russische Flugzeuge setzen dort immer wieder Gleitbomben ein, die mit Flügelsätzen ausgerüstet sind und Ziele in Dutzenden Kilometern Entfernung treffen können, ohne in die Reichweite der Luftverteidigung zu geraten.
Semikin hatte die Dimension des Angriffs bereits am Mittwoch beschrieben: „Das Ausmaß der Tragödie ist entsetzlich. Hinter jeder Zahl steht ein Menschenleben, eine Familie, die ihre Angehörigen verloren hat oder noch auf Nachrichten wartet“, sagte er laut Kyiv Independent. Selenskyj sprach von einem „wahnsinnigen Angriff“ und beklagte die geringe internationale Reaktion. Die Ukraine brauche jetzt Unterstützung bei der Luftverteidigung, sagte er.
Die Suche in Komyschuwacha dürfte noch andauern. Solange Trümmer und Staub die Arbeit behindern und weitere Angriffe drohen, rechnen die Behörden mit weiteren Funden. Die Zahl der Toten ist seit Mittwoch kontinuierlich gestiegen: von 40 am Mittwoch über 43 am Donnerstag auf nun 53 – ein Beleg dafür, wie langsam sich die Rettung unter diesen Bedingungen vollzieht.
Zuvor berichtet: Nach Angriff auf Komyschuwacha: Zahl der Toten steigt auf 43



