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Drohnen treffen Raffinerie Saratow, Raketen Werk in Orjol

In der Nacht zum Samstag sind in Russland die Rosneft-Raffinerie in Saratow und das Elektronikwerk Proton-Elektroteks in Orjol in Brand geraten. Beide Anlagen sollen die russische Rüstung versorgen.

Drohnen treffen Raffinerie Saratow, Raketen Werk in Orjol
Grafik: EuroPulse

In der Nacht zum Samstag sind in Russland die Rosneft-Raffinerie in Saratow und das Elektronikwerk Proton-Elektroteks in Orjol in Brand geraten. Beide Anlagen sollen die russische Rüstung versorgen.

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum Samstag die Ölraffinerie Saratow an der Wolga angegriffen, während Marschflugkörper vom Typ Neptune das Elektronikwerk Proton-Elektroteks in Orjol trafen. In beiden Anlagen brachen nach Angaben des unabhängigen russischen Mediums Astra größere Feuer aus, wie Ukrinform und die Kyiv Post berichten. Die Raffinerie gehört dem staatlichen Ölkonzern Rosneft.

Der Gouverneur der Region Saratow, Roman Busargin, bestätigte nach Angaben von Ukrinform zunächst Opfer und Schäden an ziviler Infrastruktur, nannte die Raffinerie aber nicht als Ziel. Ein Augenzeuge sagte Astra, in Saratow und im benachbarten Engels seien in der Nacht mehr als 40 Explosionen zu hören gewesen; die Luftalarmsirene habe mindestens zweimal geheult. Ob die Raffinerie ihren Betrieb fortsetzen kann, ist laut t-online offen.

Ein Werk für Iskander-M und Pantsir-S1

In Orjol bestätigte Gouverneur Andrei Klychkow nach Angaben von Ukrinform, dass „infolge der Abwehr eines massiven Raketenangriffs der ukrainischen Streitkräfte“ Produktionskapazitäten eines Betriebs im Stadtteil Sowetski teilweise beschädigt worden seien. Den Namen des Werks nannte er nicht; Rettungskräfte seien im Einsatz. Astra und OSINT-Analysten des Mediums ordneten die Brände anhand von Augenzeugenvideos dem Werk Proton-Elektroteks zu.

Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte erklärte, die Neptune-Einheiten hätten das Unternehmen JSC Proton-Elektroteks direkt getroffen; es sei zu Sekundärexplosionen und einem Brand gekommen. Nach Darstellung des Generalstabs fertigt das Werk unter anderem Komponenten für die Luft-Boden-Marschflugkörper Ch-71 „Kover“ und für die 9M723-Rakete des mobilen Systems Iskander-M. Die Beratungsfirma Defense Express verwies laut Kyiv Post darauf, dass an derselben Industrieadresse auch die verbundenen Firmen ZAO Proton-Impuls und AO Proton sitzen, die Mikroelektronik und optoelektronische Module für Iskander-M und das Flugabwehrsystem Pantsir-S1 liefern.

Ukrainische Militärbehörden argumentieren, die Zerstörung der Komponentenfertigung dort schmälere Moskaus Fähigkeit, ballistische und Marschflugkörper für Angriffe auf ukrainische Städte zu bauen. Die Operation sei nach Artikel 51 der UN-Charta zur Selbstverteidigung geführt worden, heißt es in dem Bericht der Kyiv Post.

Ein Werk, das schon im Oktober getroffen wurde

Für Proton-Elektroteks ist es nicht der erste Angriff: Bereits am 23. Oktober war das Werk nach ukrainischem Beschuss schwer beschädigt worden; Open-Source-Aufnahmen zeigten damals den Einsturz mindestens einer großen Montagehalle. Die Raffinerie in Saratow, eines der ältesten Ölverarbeitungswerke Russlands, war nach Ukrinform ebenfalls mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe und musste ihren Betrieb wegen Schäden mehrfach stoppen, zuletzt im September 2026. 2023 verarbeitete sie nach diesen Angaben 4,8 Millionen Tonnen Rohöl; die Jahreskapazität liegt bei rund 7 Millionen Tonnen. Sie produziert Benzin, Diesel, Heizöl und Spezialschmierstoffe, die nach ukrainischen Angaben auch direkt an die russische Armee gehen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte auf Telegram, die Luftabwehr habe in der Nacht 411 ukrainische Drohnen über russischen Regionen abgefangen und zerstört – nach Angaben des russischen Dienstes der BBC über zehn Regionen Russlands sowie über der besetzten Krim, dem Asowschen und dem Schwarzen Meer. Diese Zahl ist eine Angabe des Ministeriums und unabhängig nicht überprüfbar.

Die Angriffe in der Nacht zum Samstag folgen auf einen Drohnenangriff am frühen Freitag, 6. November, auf die Raffinerie Afipski in der Region Krasnodar. Dort brannte nach Kyiv Post der Tanklagerpark, dichter Rauch zog in Richtung Krasnodar, und die Luftfahrtbehörden aktivierten das Notfallprotokoll „Kover“, worauf der Flugbetrieb am Flughafen Krasnodar zeitweise ruhte. Die Afipski-Anlage verarbeitet jährlich rund 7,2 Millionen Tonnen Rohöl.

Die Schläge tief im russischen Hinterland passen zur ukrainischen Strategie, den militärischen Nachschub weit hinter der Front zu stören. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die Angriffe auf russische Raffinerien als Antwort auf Russlands Angriffe auf ukrainische Kraftwerke und Stromnetze, wie t-online berichtet. Für die russische Bevölkerung bedeutet das vor allem: Treibstoffpreise und Versorgungsengpässe können weiter steigen, wenn Ausfälle in den Raffinerien länger anhalten – belastbare Zahlen dazu liegen aus den vorliegenden Quellen nicht vor.

Quellen

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