Mi., 04 Nov. 2026 Kyjiw 23:14Berlin 22:14London 21:14 UKR / DE / EN

Komyschuwacha: Zahl der Toten steigt auf 40

Drei Tage nach dem Luftangriff auf ein Schulgebäude in der Region Saporischschja sind nach Angaben von Präsident Selenskyj 40 Tote bestätigt. Mehr als 30 Menschen könnten noch unter den Trümmern liegen.

Komyschuwacha: Zahl der Toten steigt auf 40
Grafik: EuroPulse

Drei Tage nach dem Luftangriff auf ein Schulgebäude in der Region Saporischschja sind nach Angaben von Präsident Selenskyj 40 Tote bestätigt. Mehr als 30 Menschen könnten noch unter den Trümmern liegen.

Die Zahl der Toten nach dem russischen Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist auf 40 gestiegen. Das teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch auf Facebook mit, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet. Einige der geborgenen Leichen seien bislang nicht identifiziert.

Die Rettungsarbeiten an der zerstörten Schule dauern nach seinen Angaben seit drei Tagen an. Beteiligt seien alle Rettungsdienste, darunter nach Angaben des Staatlichen Katastrophenschutzes (DSNS) auch Suchhunde-Teams und Spezialisten des staatlichen Bergrettungsdienstes, wie die Kyiv Independent berichtet. Die Suche werde durch die ständige Gefahr weiterer russischer Angriffe erschwert, so Selenskyj.

Neun Fliegerbomben auf einen Schutzraum

Russische Truppen hatten Komyschuwacha nach Darstellung der ukrainischen Seite am Montag, 2. November, mit Fliegerbomben angegriffen. Getroffen wurde ein Schulgebäude, das als Ausgabestelle für humanitäre Hilfe diente. Nach dem ersten Einschlag seien weitere neun Fliegerbomben auf einen Schutzraum gefallen, in dem Menschen Zuflucht gesucht hatten, erklärte Selenskyj. Die Kyiv Independent nennt unter Berufung auf den Präsidenten den Typ FAB-3000 mit einem Gewicht von drei Tonnen; die Bombe enthalte mehr als 1.000 Kilogramm Sprengstoff und habe einen Wirkungsradius von bis zu 250 Metern.

Unter den Toten sind nach Angaben des DSNS auch zwei Rettungskräfte: Denys Konowalenko und Oleksij Suschtschewskyj, beide 44 Jahre alt. Die Einsatzkräfte und Polizisten waren demnach bereits vor Ort, als die Gefahr eines weiteren Angriffs aufkam. Sie brachten sich in Deckung, woraufhin russische Kräfte erneut dasselbe Gelände beschossen. Zerstört wurden laut DSNS eine Turnhalle, ein Nebengebäude und ein Löschfahrzeug; das Schulgebäude wurde beschädigt.

Der Gouverneur der Region Saporischschja, Mychajlo Semikin, sagte laut Kyiv Independent: „Das Ausmaß der Tragödie ist entsetzlich. Hinter jeder Zahl steht ein Menschenleben, eine Familie, die Angehörige verloren hat oder noch auf Nachrichten wartet.“ In der Region gilt wegen des Angriffs eine dreitägige Trauer, vom 3. bis 5. November. Nach Einschätzung der Kyiv Independent handelt es sich um eine der verlustreichsten Tragödien in der Region seit Beginn des russischen Angriffskriegs.

Selenskyj beklagt geringe internationale Reaktion

Selenskyj kritisierte die aus seiner Sicht schwache Reaktion der Welt auf den Angriff. „Leider gab es auf diesen irrsinnigen Angriff sehr wenig Reaktion aus der Welt“, sagte er laut Ukrinform.

Komyschuwacha liegt nach Angaben der Kyiv Independent rund 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt und gilt seit November 2025 als Frontort. Russland setze dort immer wieder Gleitbomben ein, die mit Flügelsätzen ausgerüstet aus großer Entfernung abgeworfen werden können und damit außerhalb der Reichweite der Luftverteidigung bleiben.

Am Dienstag, 3. November, hatte die ukrainische Seite zunächst mindestens 26 Tote gemeldet, der regionale Militärverwalter Semikin sprach zudem von 27 Vermissten, wie tagesschau.de berichtete. Diese Angaben sind inzwischen überholt. Die Rettungsarbeiten in Komyschuwacha dauern an.

Zuvor berichtet: Nach Luftangriff auf Komyschuwacha: 31 Tote, fast 50 Vermisste

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →