Rheinmetall hat seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt. Der Konzern rechnet nun mit rund 13,2 Milliarden Euro statt der zuletzt genannten 13,7 bis 14,2 Milliarden. Die operative Marge soll bei etwa 18,5 statt 19 Prozent liegen. Stand: 4. November.
Auffällig ist der Kontrast zu den Quartalszahlen. Im dritten Quartal stieg der Umsatz auf 3,149 Milliarden Euro, gut ein Drittel mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis wuchs um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 14,8 auf 17,5 Prozent. Der Auftragseingang lag mit 2,893 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahr. Das Unternehmen nennt das ein „gutes, wenn auch leicht niedrigeres Niveau“, wie die dpa-afx zitiert.
Was sich verschiebt – und was nicht
Die Gründe sind keine Absagen, sondern Terminverschiebungen. Für das Boxer-Großprojekt „Arminius“ erwartet Rheinmetall den Auftragseingang nicht mehr in diesem Jahr; Anzahlungen und Umsätze rutschen damit ins Jahr 2027. Bei Artilleriemunition seien „Verzögerungen bei den Losabnahmen absehbar“, so die Mitteilung. Auch die Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Destinus werde 2026 nicht wie geplant Umsatz bringen. Der operative Free Cashflow bleibt laut Konzern positiv erwartet, im dritten Quartal lag er bei minus 82 Millionen Euro (Vorjahr: minus 168 Millionen).
Schon im August hatte Rheinmetall das Umsatzziel von 14 bis 14,5 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, damals wegen der gestoppten Fregatte F126 mit Umsatzeffekten von bis zu 300 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei 80,5 Milliarden Euro. Konzernchef Armin Papperger sprach im August von einem Book-to-Bill-Verhältnis „größer 3“, also deutlich mehr neuen Aufträgen als Umsatz. Genau daraus ergibt sich das Problem: Die Nachfrage ist da, die Abnahme und Auslieferung hinken hinterher.
Wo der Engpass sitzt
Für die Bundeswehr ist das mehr als eine Börsennotiz. Arminius soll nach Berichten ein Volumen von rund 12,4 Milliarden Euro haben, hinzu kämen 2 Milliarden für Service; mit Optionen sind bis zu 26 Milliarden Euro im Gespräch. Für den Bundestag wurde bislang der 9. Dezember als Abstimmungstermin genannt. Ob die jetzige Prognose diesen Termin berührt, geht aus den Konzernmitteilungen nicht hervor. Klar ist nur: Wenn selbst ein Branchenführer mit gefülltem Auftragsbuch Termine nicht hält, entscheiden Abnahmeverfahren, Haushaltsbeschlüsse und Lieferketten darüber, wie schnell Geld in Gerät übersetzt wird – nicht der Etat allein.
Unsere Einschätzung, mit Vorbehalt: Kurzfristig ist das eher eine Verschiebung als ein Rückschlag; die Umsätze fallen 2027 an. Riskanter wäre, wenn sich Verzögerungen bei Munition und Fahrzeugen häufen, denn das trifft genau die Bereiche, in denen Deutschland und die Ukraine auf schnelle Lieferungen angewiesen sind. Die vollständige Quartalsmitteilung erscheint am Donnerstag; erst dann lassen sich Auftragsbestand und Details prüfen.
Zuvor berichtet: Komyschuwacha: Zahl der Toten steigt auf 40 – zum Kontext, warum Munition und Luftverteidigung für die Ukraine drängen.
Quellen: Börsen-Zeitung (dpa-afx), BondGuide, Rheinmetall, Heidelberg24, Kapitalmarktexperten



