Beamte des Bezirksamts Neukölln und des Jobcenters führten am frühen Mittwochmorgen eine Kontrolle in einem Wohnheim für Wohnungslose in der Bürgerstraße durch. Von den 61 offiziell gemeldeten Personen wurden nur 34 angetroffen. Die übrigen waren nicht in der Unterkunft, obwohl die Jobcenter die Kosten für ihre Unterbringung tragen. Als Grund für die Abwesenheit wurde angegeben, die Bewohner seien „im Urlaub“.
Bereits bei einer ersten Kontrolle im März waren Bewohner nicht angetroffen worden. Das Bezirksamt hatte daraufhin eine erneute Überprüfung angesetzt. Neuköllns Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) kündigte an, die Vorgänge genau zu prüfen: „Wir werden uns sehr genau anschauen, ob das noch mit einer ordnungsrechtlichen Unterbringung vereinbar ist.“ Bei der Kontrolle fiel zudem auf, dass in dem vierstöckigen Gebäude umfangreiche Bauarbeiten stattfanden und mehrere Zimmer renoviert wurden – für alle 61 gemeldeten Personen wäre derzeit gar nicht ausreichend Platz vorhanden.
Die Kontrolle ist Teil verstärkter Überprüfungen von Wohnungslosenunterkünften in Berlin. Eine Tagesspiegel-Recherche hatte kürzlich gezeigt, dass private Betreiber mit den Einrichtungen lukrative Geschäfte machen und das System anfällig für Missbrauch ist. In einem Fall in Charlottenburg kassierte eine Betreiberin über einen längeren Zeitraum Geld für Wohnungslose, die dort gar nicht lebten; der Schaden liegt bei mehr als einer Million Euro. Auch in einer Unterkunft in der Fuggerstraße stellten Kontrolleure fest, dass gemeldete Personen nicht in dem ehemaligen Hotel wohnten.
Quelle: www.tagesspiegel.de



