Wie die FAZ berichtet, hat das Staatstheater Wiesbaden Mozarts „Così fan tutte“ als „immersives Experiment über Liebe, Treue und Beziehungen“ angekündigt. Die Inszenierung stammt von der französischen Film- und Videokünstlerin Marie-Ève Signeyrole und wurde von der Opéra national de Lyon übernommen. Das 1790 in Wien uraufgeführte Werk wird dabei in einen Hörsaal verlegt, in dem Professor Don Alfonso Studierenden einer Kunsthochschule seine Thesen zur erotischen Anziehung erläutert.
Die Handlung folgt dem bekannten Mozart-Libretto von Lorenzo Da Ponte: Zwei Paare – die Schwestern Fiordiligi und Dorabella mit ihren Verlobten – werden für ein Experiment ausgewählt, das die Treue der Liebenden auf die Probe stellt. Die Kammerzofe Despina fungiert als eine Art schlecht bezahlte studentische Hilfskraft, die das Ergebnis der Versuchsanordnung bereits kennt. An der Wand des Hörsaals prangt neben einem „Così fan tutte“-Graffiti der Slogan „Mein Leben Meine Wahl“ – ein Verweis auf die LGBTQ-Bewegung.
Signeyrole bleibt ihrem Ruf als Videokünstlerin treu: Ein Kameramann bewegt sich durch das Auditorium und projiziert Details der Szene auf die Rückwand des Hörsaals. Die FAZ-Rezensentin erinnert dies an frühere Operninszenierungen, in denen der „Bild-Mitläufer“ noch als Zeichen höchster Modernität galt – heute wirke die Technik eher umständlich. Das neue Setting, das Signeyrole gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Fabien Teigné entwickelte, enttäusche daher etwas.
Musikalisch hingegen überzeugt die Aufführung: Die FAZ lobt die fantastische musikalische Leistung. Die Inszenierung ist die letzte Opernpremiere der Spielzeit am Staatstheater Wiesbaden. Trotz der konzeptionellen Schwächen bleibt der Abend ein sehenswerter Beitrag zur aktuellen Mozart-Rezeption.
Quelle: www.faz.net



