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Gaspreis in Europa steigt erstmals seit 2022 über 100 Euro

Der niederländische Referenzpreis TTF hat am Mittwoch die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten. Als Hauptursache gelten die Verwerfungen infolge des Iran-Kriegs.

Gaspreis in Europa steigt erstmals seit 2022 über 100 Euro
Grafik: EuroPulse

Der niederländische Referenzpreis TTF hat am Mittwoch die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten. Als Hauptursache gelten die Verwerfungen infolge des Iran-Kriegs.

Der europäische Gaspreis ist am Mittwoch erstmals seit 2022 auf mehr als 100 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Wie das Handelsblatt und orf.at übereinstimmend berichten, überschritt der als Referenz für die Großhandelspreise geltende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden die Marke im Tagesverlauf. Anfang September hatte der Preis noch bei weniger als 70 Euro gelegen, seit Ende September steigt er kontinuierlich an.

Als Hauptursache gelten die Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des Iran-Kriegs. Bis zu dessen Beginn hatte der Gaspreis laut Handelsblatt bei um die 30 Euro notiert. Seit der faktischen Blockade der Straße von Hormus kann nur noch wenig Gas aus dem Nahen Osten in den Rest der Welt exportiert werden. Rund ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases (LNG) kam zuvor aus Katar; die LNG-Exporte durch die Meerenge liegen Analysten zufolge aktuell bei einem Viertel der Vorkriegsmenge.

Hinzu kommen weitere Faktoren. t-online.de nennt die Sorge vor einem Kälteeinbruch, eine gestiegene Nachfrage aus Asien – besonders China füllte zuletzt seine Speicher – sowie die im Vergleich zum Vorjahr deutlich leereren Gasspeicher. Nach Angaben der europäischen Plattform zur Gasspeicherung (Agsi) sind die Speicher derzeit zu knapp 75 Prozent gefüllt, im Vorjahr lag der Wert bei knapp 83 Prozent. In Deutschland betragen die Reserven laut Agsi 61,6 Prozent, gegenüber rund 75 Prozent im Jahr 2025.

David Luff, Gasmarktanalyst bei Argus Media, sagte dem Handelsblatt: „Der jüngste Preisanstieg hat die europäischen Gaspreise für den Rest des Winters über alle traditionellen Preismarken hinausgetrieben.“ Er warnt: „Oberhalb von 100 Euro pro Megawattstunde stellt sich zunehmend die Frage, welches Preisniveau ausreichen würde, um staatliche Eingriffe zur Eindämmung der Nachfrage auszulösen.“ Martin Senior, ebenfalls von Argus Media, sagte dem Handelsblatt zufolge, die anhaltende Nachfrage aus Asien habe LNG-Ladungen von Europa weg und nach Asien verlagert und so die europäischen Preise in die Höhe getrieben.

Derart hohe Preise gab es zuletzt im Zuge des Ukrainekriegs: Im August 2022 waren sie laut Handelsblatt kurzzeitig auf über 300 Euro pro Megawattstunde gestiegen, orf.at nennt einen Spitzenwert von fast 340 Euro. Seit dem Frühjahr 2023 notierten sie aber fast durchgehend unterhalb der 50-Euro-Marke.

Für die meisten Haushalte hat der aktuelle Anstieg zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen, da sie länger laufende Verträge haben. Preisveränderungen an der Börse kommen bei Bestandskunden erst mit zeitlicher Verzögerung an, wie t-online.de und orf.at berichten. Prognosen zufolge könnte die Straße von Hormus bis März 2027 geschlossen bleiben; bei einem besonders kalten Winter wäre laut t-online.de ein Anstieg auf etwa 130 Euro pro Megawattstunde möglich.

Quellen

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