Stephen Miller wird neuer Stabschef von US-Präsident Donald Trump und löst damit Susie Wiles ab. Wie Trump am Freitag auf seiner Plattform Truth Social bekannt gab, übernimmt der bisherige stellvertretende Stabschef das Amt am Montag, dem 9. November, wie unter anderem die Berliner Zeitung und der Standard berichten. Wiles, 69, wechselt demnach in die „Trump Political Operation“, also Trumps politisches Team. Trump dankte ihr für „hervorragende Arbeit“.
Der Personalwechsel folgt auf die Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen am Dienstag. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, die die Berliner Zeitung zitiert, machte Trump führende Mitarbeiter für die schwache Wahlkampfstrategie verantwortlich und hinterfragte Ausgaben sowie Kandidatenentscheidungen. Die Demokraten eroberten laut Berliner Zeitung die Mehrheiten in beiden Kammern. Der US-Sender CBS News berichtete unter Berufung auf einen Insider, Wiles habe bereits am Donnerstagabend ihren Rücktritt eingereicht, wie die Welt schreibt.
Der Architekt der Abschiebepolitik
Miller gehört seit Trumps Wahlkampf 2016 zum engsten Umfeld des Republikaners. Er gilt als maßgeblicher Architekt der restriktiven Einwanderungs- und Abschiebungspolitik der Regierung, zu der großangelegte Abschiebungsaktionen gegen Migranten ohne legalen Aufenthaltsstatus und die Einschränkung legaler Einwanderungswege zählen. In der zweiten Amtszeit war er bislang stellvertretender Stabschef für politische Fragen und Berater für innere Sicherheit. In Trumps erster Amtszeit verfasste er Reden für den Präsidenten, darunter die Amtseinführungsrede von 2017, und war eine Schlüsselfigur hinter dem Einreiseverbot für Bürger bestimmter Länder sowie der Praxis, Migrantenkinder an der Grenze zwischen den USA und Mexiko von ihren Eltern zu trennen.
Die Süddeutsche Zeitung zeichnet Miller als Hardliner, der Massenabschiebungen vorantreibt und den Iran-Krieg lobt. Sie verweist auf seine Rolle bei den maskierten Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE in Städten wie Chicago und Minneapolis sowie auf seine Forderung, das Geburtsrecht auf die US-Staatsbürgerschaft abzuschaffen. Das Weiße Haus schreibt ihm laut Süddeutscher Zeitung Erfolge bei der Senkung der Gewaltkriminalität, der Sicherung der Grenze und der Betrugsbekämpfung zu.
„Er hätte keine schlechtere Wahl treffen können“
Die Demokraten reagierten scharf. Chuck Schumer, Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, schrieb auf X, Trump habe aus dem Wahltag nichts gelernt und „hätte keine schlechtere Wahl treffen können“ als Miller. Mit den künftigen Mehrheiten im Kongress werde man „mit allen Mitteln gegen ihn kämpfen“. Miller sei für „die barbarischste und unmenschlichste Politik dieser Regierung“ verantwortlich. Hakeem Jeffries, der die demokratische Fraktion im Repräsentantenhaus anführt, nannte Miller laut Süddeutscher Zeitung „einen gefährlichen Fremdenfeind und rücksichtslosen Extremisten, an dessen Händen amerikanisches Blut klebt“. Trump selbst bezeichnete Miller als „einen meiner vertrauenswürdigsten Berater“.
Wiles war die erste Frau auf dem Posten des Stabschefs. Sie hatte ihre Karriere bei Ronald Reagan begonnen, später mit George W. Bush gearbeitet und 2016 Trumps Wahlkampf in Florida unterstützt. Nach dem Sturm auf das Kapitol 2021 organisierte sie sein Comeback und wurde 2025 zur Stabschefin ernannt. Im Frühjahr war ihre Brustkrebserkrankung bekanntgeworden, im September erklärte sie sich für krebsfrei. Für Aufsehen sorgte im Dezember 2025 ein Porträt im Magazin „Vanity Fair“, in dem sie Trump die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“ zuschrieb; später warf sie dem Magazin vor, Aussagen aus dem Kontext gerissen zu haben. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, Wiles sei gegen Trumps Iran-Krieg und gegen den harten Umgang mit Einwanderern gewesen. Noch Mitte Oktober hatte Trump versichert, Wiles werde „lange im Amt bleiben“.
Der Stabschef koordiniert die Arbeit der Mitarbeiter des Präsidenten, steuert Abläufe und spielt eine wichtige Rolle beim Zugang zum Staatsoberhaupt. In Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2021 hatten vier Stabschefs das Amt inne. Der Standard berichtet zudem, im Justizministerium träten zwei weitere Spitzenbeamte zurück.



