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Wohnungspreise sinken erstmals seit zwei Jahren – Mieten nicht

Eigentumswohnungen sind erstmals seit Mitte 2024 billiger als im Vorjahr. Käufer gewinnen Verhandlungsspielraum, Mieter zahlen weiter mehr – und die Städte laufen auseinander.

Wohnungspreise sinken erstmals seit zwei Jahren – Mieten nicht
Symbolbild: Frank Rietsch / Pexels

Eigentumswohnungen sind erstmals seit Mitte 2024 billiger als im Vorjahr. Käufer gewinnen Verhandlungsspielraum, Mieter zahlen weiter mehr – und die Städte laufen auseinander.

Eigentumswohnungen in Deutschland waren im dritten Quartal 0,2 Prozent billiger als ein Jahr zuvor. Es ist der erste Jahresrückgang seit dem zweiten Quartal 2024, wie das Kiel Institut mit seinem Immobilienpreisindex GREIX am Donnerstag mitteilte. Grundlage sind notariell beurkundete Kaufverträge. Jonas Zdrzalek, Immobilienexperte des Instituts, sagte, der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen sei „praktisch zum Stillstand gekommen“.

Ein Absturz ist das nicht. Gegenüber dem Vorquartal legten die Preise für Wohnungen nach Angaben des Instituts sogar um 0,5 Prozent zu. Aber der Kaufkraftverlust ist deutlich: Inflationsbereinigt lagen Eigentumswohnungen im Jahresvergleich um rund drei Prozent niedriger, Einfamilienhäuser um zwei Prozent. Einfamilienhäuser kosteten nominal 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, im Quartalsvergleich aber 0,5 Prozent weniger.

Ein Markt, zwei Geschwindigkeiten

Die Zahlen verdecken große regionale Unterschiede. In Köln stiegen die Wohnungspreise binnen Jahresfrist um 4,6 Prozent, in Frankfurt am Main legten sie im Quartal um 2,4 Prozent zu. Berlin dagegen verzeichnete das dritte Quartal in Folge ein Minus und liegt 2,9 Prozent unter dem Vorjahr. Stuttgart bleibt laut Reuters fast 22 Prozent unter seinem früheren Höchststand, Leipzig liegt 3,6 Prozent darüber.

Zdrzalek sieht keine breite Erholung. Die Auswertung von Inseraten zeige einen schwächeren Markt: Objekte stünden länger im Angebot, Preisforderungen würden häufiger gesenkt. Teure Lagen reagierten empfindlicher auf höhere Finanzierungskosten, weil dort schon vor der Zinswende wenig Rendite zu erzielen war. Das Transaktionsvolumen bleibt klein: Im zweiten Quartal wurden laut Reuters 1,7 Prozent weniger Eigentumswohnungen und 8,2 Prozent weniger Einfamilienhäuser verkauft als ein Jahr zuvor.

Das passt zu den amtlichen Zahlen. Das Statistische Bundesamt meldete für das zweite Quartal bundesweit nur noch +0,6 Prozent bei Wohnimmobilien im Jahresvergleich. In den sieben größten Metropolen waren Wohnungen bereits 0,4 Prozent billiger, in dünn besiedelten Landkreisen 0,6 Prozent.

Käufer haben Luft, Mieter nicht

Für Kaufinteressierte bedeutet die Trendwende vor allem mehr Verhandlungsspielraum, nicht automatisch günstigere Raten. Die Bauzinsen lagen im Sommer nach Daten der FMH-Finanzberatung bei rund vier Prozent für zehn Jahre Zinsbindung; wer rechnet, sollte aktuelle Angebote einholen. Wer Eigenkapital hat und nicht unter Zeitdruck steht, kann Preise in Regionen mit längeren Vermarktungszeiten eher drücken als noch vor einem Jahr.

Mieter spüren die Entspannung nicht. Die Angebotsmieten stiegen im dritten Quartal nach dem GREIX-Mietpreisindex um 3,7 Prozent, in München um 4,8 Prozent auf durchschnittlich 23,70 Euro je Quadratmeter kalt, in Hamburg sogar um 6,7 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Wer sich den Kauf nicht leisten kann oder will, bleibt auf dem Mietmarkt und verschärft dort die Nachfrage.

Unsere Einschätzung: Ein Preisverfall wie 2022/23 ist derzeit nicht erkennbar, eher eine längere Seitwärtsphase mit weiter wachsenden Unterschieden zwischen den Städten. Sie hängt stark an der Zinsentwicklung; ein erneuter Anstieg der Renditen am Anleihemarkt würde den Druck auf die Preise erhöhen. Das ist eine Einschätzung der Redaktion, keine Prognose der Institute.

Quellen: Tagesspiegel/Reuters, Handelsblatt, Destatis, Kiel Institut (GREIX)

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